17.08.2024: Tag 64 – Von Giswil nach Brienz (22,6km)

Es regnet schon als ich aufwache und nicht gerade wenig. Als nach dem Frühstück der Regen etwas nachlässt, stapfe ich los, denn der Wetterbericht sagt, dass es bis Mittag so bleibt.

Immerhin keine Bremsen und keine Hitze sag ich mir und starte den Aufstieg nach Kaiserstuhl. Dort angekommen nehme ich mir vor bis Lungern, um den Lungerersee herum, zu gehen und mich dort in einem Café aufzuwärmen und dann zu schauen, wieviel des Weges ich heute schaffe. Mittlerweile sind meine Schuhe durchgeweicht und meine Hände so nass, dass ich mein Handy nicht mal mehr bedienen kann.

Die sonst so kleinen Flüsse mit klaren Wasser sind heute braunen Strömen gewichen und ich komme patschnass in Lungern an und versuche mich auf einer öffentlichen Toilette notdürftig trocken zu legen, da ich kein Café finde.

Der Regen hat aufgehört und nachdem ich mir noch kurz die dortige Kirche angeschaut habe, starte ich den Aufstieg zum Brünig-Pass. Es geht meist durch den Wald und die Steigung ist moderat, aber so langsam wird mir kalt.

Teilweise ist der Weg komplett unter Wasser und muss mich am Rand entlang hangeln, um kein unfreiwillige Kneipp-Kur zu bekommen.

Ziemlich erschöpft komme ich um 14 Uhr in Brünig an, mache endlich Mittagspause und föne in der Bahnhofstoilette Socken und T-Shirt trocken. Ich entschließe mich nur noch nach Brienzwiler zu wandern und dort in die Bahn zu steigen.

Beim Abstieg stehe ich plötzlich vor der Situation, dass vor mir ein umgefallener Baum den Weg versperrt und hinter mir der Pilger Tim aus München hinter mir steht.

Zusammen bestreiten wir den weiteren Abstieg und kommen dabei ins Gespräch. Der 27-jährige hat seinen letzten Job als Koch hingeschmissen und bis nach Santiago de Compostela wandern. Wir unterhalten uns viel über die notwendige Ausrüstung zum Wandern und die Erfahrungen in der Schweiz und zack sind wir schon durch Brienzwiler durchgelaufen.

Da sein Ziel heute Brienz ist, wir beide das gleiche Wandertempo haben und ich die Gesellschaft sehr schätze, entscheide ich mich kurzerhand auch bis Brienz zu laufen. Ich setze Tim am Campingplatz ab und laufe bis zum Bahnhof.

Hier muss ich aber feststellen, dass die Bahn nicht fährt, da die Unwetter der letzten Woche die Gleise beschädigt haben und ich den Ersatzverkehr nehmen muss: Erstnach Interlaken, wo ich ein Abendessen zum mitnehmen ersteigere, und dann endlich nach Oberried.

Etwas k.o. komme ich dann endlich um 19:00 Uhr bei meiner Unterkunft an. Hier rufe ich die Vermieter an, die nicht vor Ort sind, aber mich erst mal zum Schlüssel navigieren und dann durch das Haus. Hat alles geklappt und eine Stunde später bin ich satt, sauber und pack die Füße hoch.

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