29.08.2021: Tag 16 – Lünen nach Dortmund

Müde, weil die halbe Nacht sich Gäste des Gasthofs laut vor meinem Fenster unterhalten hatten, mache ich mich auf den Weg nach Dortmund.

Anfangs ist es nur ein sehr feiner Nieselregen, der mich begleitet, der sich nach Brechten aber zum ausgewachsenen Regen mausert und ich werfe mir mein Cape über.

Ich verabrede mich mit meiner ehemaligen Kommilitonin Silke zum Mittagessen am Zoo von Dortmund und mit diesem Zwischenziel gebe ich Gas und strotze dem Regen.

Ich erreiche pünktlich das Restaurant, bin aber recht durchgeweicht und durchgefroren.

Aber das ist schnell vergessen, als ich was im Magen habe und mit Silke über Corona, Lebensplanung, Urlaubserlebnisse und schlimme Nachbarn (also ihrer, meine sind super! *Wink an Hajo und Dennis*).

Aber bald müssen sich unsere Wege schon wieder trennen und ich trete meinen letztes Wegstück des Tages durch einen Wald an.

Nachdem ich etwas umständlich den Eingang des Hotels gefunden hab, und etwas maulig bin, dass ich das Zimmer ganz oben bekommen habe, bin ich doch sprachlos über das schöne Zimmer mit dem offenen Dachstuhl.

Es nützt aber alles nichts, mir ist kalt und so gönn ich mir nach der Dusche ein Nickerchen, bevor ich im nahe gelegenen Restaurant zu Abend esse und mich für morgen vorbereite.

Erkenntnis des Tages: Ein Wiedersehen muss nicht lang, um herzlich zu sein

28.08.2021: Tag 15 – Von Herbern nach Lünen (26,8km)

Nach dem Frühstück geht es wieder los, ohne Stempel, die Kirche hat immer noch zu.

Ich komme an dem Schloss Westerwinkel vorbei, sage einmal „Ooooh“ und „Aaaah“ und dann geht es auch schon wieder weiter.

Der Weg geht wieder durch Wiesen und Felder, dafür aber auch mal auf Schotterwegen und ich komme an etwas vorbei, von dem ich dachte, dass es das gar nicht mehr gibt: Schweine in der Freilandhaltung.

Neugierig (okay, wahrscheinlich spekulieren sie nur auf was zu fressen) kommen die Schweine angetrabt und blicken treumütig in die Kamera.

Kurz vor Werne bekomme ich neben einer Pilgerstatue einen Stempel und kurze Zeit später gönne ich mir in Werne einen Kaffee und ein Minzwasser (Kindheitserinnerungen an Sommerurlaube in Frankreich kommen hoch).

Es ist noch immer trocken, als ich im Wald etwas umständlich versuche mich bei den Matschfeldern nicht auf die Nase zu legen.

Gegen 15:00 Uhr trudle ich in Lünen ein, und freu mir nen Keks, als es erstmals zu regnen anfängt, als ich aus der Dusche komme.

Leider bleibt das für den Rest des Tages so, so dass ich die Zeit dafür nutze die Füße hochzupacken.

Erkenntnis des Tages: Nichts tun hat auch seinen Charme.

27.08.2021: Tag 14 – Von Münster nach Herbern (33,2km)

Der Tag beginnt damit, dass ich noch mal umkehre. Nein, ich habe nichts im Hotel vergessen, aber meine Freundin Ulrike läd mich spontan auf Ihrem Balkon zu einem Kaffee und einen kurzen Plausch ein.

Nun aber wirklich los. Es ist halb elf, als ich schließlich Münster hinter mir passend erst mal ein langes Stück parallel zu den Bahngleisen laufe.

Der Tag ist heute echt eine Herausforderung, körperlich wie mental. Zum einen ist der Weg durchgehend asphaltiert und es geht NUR durch Maisfelder.

Zum anderen wechselt das Wetter gefühlt alle zwanzig Minuten von Sonnenschein und heiss zu Regen und kalt mit einem Gewitter zum Abschluss, dass meine Socken komplett durchnässt.

Müde, abgekämpft und durchgefroren erreiche ich das Hotel in Herbern und sehe mich einer quirligen Empfangsdame gegenüber, die es durch ihre Art doch noch schafft meine Stimmung etwas zu heben. Nun aber duschen, lange duschen und dann ne Runde ins Bett zum aufwärmen.

Nach dem Abendessen mach ich mich doch noch mal auf zur Kirche für meinen Stempel, aber die ist, mal wieder, verschlossen. Vielleicht dann morgen früh.

Ich versuche mich emotional darauf einzustellen, dass das Wetter morgen nicht besser ist und kuschel mich wieder unter die Decke.

Erkenntnis des Tages: Ich hab mir heute etwas zu viel zugemutet.

26.08.2021: Tag 13 – Von Ladbergen nach Münster (31,7km)

Das frühe Aufstehen hat sich wieder gelohnt, denke ich, als ich ein Fasanenpärchen und einen Regenbogen sehe.

Es geht den Vormittag immer mal wieder am Dortmund-Ems-Kanal vorbei und ich etwas überrascht wie viele Boote unterwegs sind.

Der Wald hat heute durchaus ne Menge zu bieten: Neben vielen Pilzen werde ich heute auch Zeuge eines kurzen Kampfes zwischen zwei Greifvögeln. Gepaart mit mehren umgestürzten Bäumen wird der Weg heute zum Abenteuerpfad.

Gegen halb zwei erreiche ich das Haus Dyckburg, was eine ehemalige Wasserburg aus den 15. Jahrhundert gewesen ist mit der dortigen Kapelle.

Zwei Stunden später bin ich am Hotel und widme mich der Körperpflege bevor ich mich wieder auf den Weg mache Münster zu erkunden.

Schon schnell wird mir klar, ein Nachmittag langt bei dieser Stadt nur für eine Momentaufnahme und ich muss noch mal wieder kommen und mir die Stadt in Ruhe anschauen.

Im St.Paulus-Dom gibt mir eine sehr freundliche Dame meinen heutigen Stempel in meinem Pass und fragt interessiert wohin meine Reise noch gehen soll.

Ungefähr fünf Kirchen später entscheide ich mich dazu noch zum Schloss zu laufen und dann, das Sightseeing für heute bleiben zu lassen.

Und so erfreue ich mich noch an der untergehenden Abendsonne, bevor ich den Weg zurück zum Hotel antrete und gönne mir dabei noch ein Highlight als Abendessen.

Erkenntnis des Tages: Peanutbutter-Banana-Waffles schmecken nach einer langen Wanderung noch mal viel besser… und das geht eigentlich nicht!!!

25.08.2021: Tag 12 – Von Hasbergen nach Ladbergen (30,4km)

Noch etwas verschlafen mache ich mich auf zum Bahnhof und 15 Minuten später bin ich schon wieder in Hasbergen und auf dem Jakobsweg.

Die Schatten der Bäume auf den gemähten Feldern sind noch lang als ich den Ort hinter mir lasse.

Langsam ändert sich das Landschaftsbild. Nicht die Wälder und Felder, die bleiben, aber es wird doch hügeliger.

In Lengerich komme ich bei meinem Kaffee kurz mit einem älteren Herren ins Gespräch, der mich auf meinen Rucksack anspricht und erzählt, dass er früher weite Radtouren, sogar bis zum Nordkap gemacht hat. Mit frischen Stempel im Pass geht es weiter.

Das Wetter ist super und ich habe das Gefühl vor Leichtigkeit zu fliegen und singe auf dem menschenleeren Weg mit Anita und Roy um die Wette, wie schön es ist auf der Welt zu sein.

Kurz vor Ziel komme ich an einer Alpakafarm vorbei, die drolligen Tiere nehmen aber nur begrenzt Notiz von mir, und ausleihen kann man sich die Tiere für einen Spaziergang leider nicht.

Nach einem anfangs leichten Kommunikationsproblem mit der Wirtin beziehe ich mein Zimmer und hau mich etwas aufs Ohr, bevor ich mir noch mal etwas Ladbergen anschaue.

Erkenntnis des Tages: Nussecken mit gemahlenen Nüssen schmecken nicht so recvt

24.08.2021: Tag 11 – von Engter nach Hasbergen (30,6km)

Als ich aus dem Taxi in Engter aussteige liegt noch der Morgennebel über den Felder und verleiht dem ganzen eine fast magische Atmosphäre.

Es geht über Rulle nach Osnabrück mit mehreren Pausen, da heute die Beine etwas schwer sind. Ich muss lachen, als ich an einer Familie vorbeikomme, wo die Jüngste ausruft: „Du quietscht ja voll!“ Ich selber höre das schon gar nicht mehr.

Gegen Mittag erreiche ich den Dom von Osnabrück und das Riesenrad davor. So ne Chance biete sich so schnell nicht noch einmal, also rauf und danach den Stempel im Dom abgeholt.

An der St.Marienkirche könne ich mir zur Stärkung Kaffee und Kuchen bevor ich die letzten elf Kilometer für heute in Angriff nehme.

Ich bin frisch gestärkt, die Sonne scheint, ein leichter Wind weht und es geht quer durch grüne Wiesen, die nach frisch geschnittenen Gras riechen… besser geht es einfach nicht.

In Hasbergen hab ich Glück (wie so oft auf der bisherigen Reise, darf gern auch so bleiben) und ich muss nicht lang auf die Bahn warten, die mich zurück nach Osnabrück bringt und dann ab ins Hotel, die wohlverdiente Dusche nutzen.

Erkenntnis des Tages: Es braucht nicht viel fürs Glück.

23.08.2021: Tag 10 – Von Damme nach Engter (33,2km)

Der Tag beginnt gemütlich um kurz vor sieben Uhr. Es geht geht durch den Wald, dessen Bäume mit der Zeit von Birken über Linden zu Fichten wechseln.

Schnell ist Vörden erreicht, wo ich neuen Proviant kaufe und vergeblich nach jemanden suche, der mir einen Stempel gibt.

Auf dem Weg aus Vörden raus ertappe ich Hummel und Sonnenblume beim *PIEP*. Hätten sich echt mal ein Zimmer nehmen können.

Die Sonne kommt raus und ich erreiche das Campemoor, wo ich an einem Aussichtspunkt Rast mache.

Auf dem weiteren Weg durchs Grün werde ich von zahlreichen Libellen begleitet.

An der Wasserburg Alt Barenaue aus dem 13. Jahrhundert mache ich Mittagspause ins treffe dort zwei ältere Herren, die eine mehrtägige Radtour durch die Region machen und fragen mich zu meiner Reise aus. Mit Überraschung überquere ich schon kurz darauf den Mittellandkanal.

Bei schönsten Wanderwetter geht es im leichten Auf und Ab durch den Wald nach Engter, wo ich mir ein Taxi zu meiner Unterkunft in Bramsche rufe.

Die Unterkunft entpuppt sich als ein ehemaliges Benediktinerkloster und ich bekomme ein Zimmer mit handgemalter Tapete. Etwas platt sinke ich nach der Dusche ins Bett, bevor ich mich auf den Weg zum Abendessen mache.

Erkenntnis des Tages: Deutsche Kleinstädte und ihre Kirchen ähneln sich mit der Zeit doch sehr.

22.08.2021: Tag 9 – Von Lohne nach Damme (25,1km)

Heute soll ein starkes Unwetter aufkommen, umso überraschter bin ich, dass es trocken ist als ich aufwache. Und so nutze ich die Gunst der Stunde und mach mich auf den Weg, um möglichst lang im Trockenen wandern zu können.

Ich komme an einem Torfwerk und der dazugehörigen Schmalspurbahn vorbei. Schade, dass heute Sonntag ist, das hätte ich gern in Betrieb gesehen.

Gegen 11:00 Uhr trudele ich in Steinfeld (das zweite auf dieser Reise) ein und versuche vergeblich nach dem Gottesdienst einen Stempel zu bekommen. Dabei fällt mir auf, dass hier mal kein Kruzifix zu sehen ist, sondern eine Plastik des letzten Abendmahls (was ich viel schöner finde).

Nach der Rast geht es weiter in den Wald und ich bekomme den ersten Anstieg zu spüren….und schnaufe wie ne Dampflok (na das kann ja noch heiter werden). Ich stoße auf den Weg zum Mordkuhlenberg auf mehrer von Figuren aus Stahl.

Der Sinn dieser Figuren erschließt sich mir erst als ich den kurz darauf erscheinenden Aussichtsturm besteige, da hier auf Schautafeln erzählt wird, was sich vor Jahrhunderten zugetragen hat. Eine Räuberbande hatte eine junge Frau geraubt, die dem Räuberhauptmann sieben Kinder gebären musste und durch eine List später dafür sorgte, dass diese gefangen und hingerichtet wurden. (Die genaue Geschichte gibt es auf Anfrage bei einem Feierabendgetränk)

Es folgt nun der Abstieg, erst von Hochturm, dann vom Berg und komme dann auch zeitig zur Jugendherberge.

Die Herbergsmutter ist eine sehr freundliche Dame, die mich ausnahmsweise sogar Waschmaschine und Trockner nutzen lässt und so habe ich den Nachmittag frei, um mal die Füße hochzupacken und nix zu tun.

Nach dem Abendessen mach ich noch mal einen Spaziergang nach Damme rein, sozusagen als Erholung. Auch hier überrascht mich, was für eine schöne Kirche hier steht, die ich mir wieder nur von außen anschauen kann.

Erkenntnis des Tages: Es kommt immer wieder anders als man denkt. Und im Wind schwingende Aussichtstürme sind nicht so meins.

21.08.2021: Tag 8 – Von Visbek nach Lohne (30,2km)

Heute ist irgendwie kein guter Tag. Erst entdecke ich zwei Blasen an den Fersen, die gestern noch nicht da waren, ich fühl mich schlapp und es ist wieder diesig. Trotzdem mache ich mich auf den Weg, nützt ja nix.

Kurz hinter Visbek laufe ich an einem Automaten vorbei, der wohl das Ende der netten Obst-und Gemüseverkäufe am Straßenrand einläutet.

Es bleibt bis zum Mittag diesig und auch ich fühl mich irgendwie matschig. Ich gebe mir selbst das Versprechen in Vechta mir eine Cola und ein Snickers zu gönnen.

Das erweist sich aber als ganz schön schwierig, denn den ersten Supermarkt treffe ich am Stadtausgang (und der blöde DM auf halbem Wege verkauft keine Snickers). Nach erfolgreicher Beute geht es mir schon wieder besser undicht trete den zweiten Teil der heutigen Reise durch den Wald an.

Auffallend ist heute, dass ich an vielen Kruzifixen am Weg vorbeilaufe.

Bevor ich an einer endlos langen Straße nach Lohne reinlaufe komme ich noch an einem großen Reiterhof, wo mich die Pferde interessiert anschauen.

Es ist vier Uhr als ich frisch geduscht mich auf den Weg mache noch einen Stempel für meinen Pilgerpass zu ergattern.

Zwar hat die St. Getrudenkirche offen (und ist nebenbei gesagt auch sehr schön), aber ich finde hier niemanden, der mir einen Stempel geben kann. Und so muss ich mich mit einem eher nüchternen Stempel von der Touristeninformation begnügen.

Nach dem Versuch ein Bett in einer Jugendherberge für morgen zu bekommen (Bestätigung steht noch aus) gab es ein opulentes Mahl beim nahe gelegenen Türken bevor die Abendroutine eingeleitet wird.

Erkenntnis des Tages: Es gibt auch Tage beim Pilgern, wo es nicht so gut läuft.

20.08.2021: Tag 7 – Von Harpstedt nach Visbek (32,7km)

Nach einer unruhigen Nacht, weil die Knie so weh getan haben (gestern was einfach zu viel asphaltierter Weg), mach ich mich nach einem schnellen Frühstück auf dem Weg.

Es ist erst diesig, aber mit der Zeit lockern die Wolken auf und machen Platz für die Sonne, die mir in den Rücken scheint.

Als wäre es bestellt, besteht der Weg heute viel aus unbefestigten Feld- und Waldwegen, was mir die Knie echt danken.

Gegen 10 Uhr erreiche ich Wildeshausen, wo gar keine Wilden hausen (zumindest hab ich keine gesehen).

Und wieder bin ich heute so ziemlich allein im Wald und genieße die Ruhe.

Immer wieder komme ich an Feldern vorbei, die von Wildblumen umsäumt sind, die sich mit Farbe und Größe zu übertrumpfen versuchen.

Pünktlich zur Mittagspause erreiche ich die Visbeker Braut, welches ein ca. 5.000 Jahre altes Großsteingrab. Der Sage nach wünschte sich hier eine junge Frau, die zwangsverheiratet werden sollte, zu Stein, um den verhassten Bräutigam zu entgehen.

Es folgen die letzten Kilometer bis Visbek, wo ich am Ortseingang die Hochzeits-Autokarawane sehe, derentwegen ich gestern Schwierigkeiten hatte ein Hotel zu bekommen.

Ich habe wieder ein schönes Zimmer bekommen und nach der Dusche, mache ich mich auf zur Kirche, um da meinen Stempel für heute zu bekommen.

Und auch heute ist es wieder unmöglich um ein Hotel herumzukommen. Diesmal ist es eine Gruppe von Archäologie-Studenten, die den anvisierten Gutshof einen Monat lang belagern und ich so abseits des Weges unterkommen muss.

Erkenntnis des Tages: Der Weg gibt Dir, was Du brauchst.