12.08.2023: Tag 50 – Von Niederstotzingen nach Ulm (36,6km)

Mit frischer Energie mache ich mich nach dem Frühstück wieder auf dem Weg. Ich laufe lange über Feldwege, während langsam die Temperaturen steigen.

Die Landwirte scheinen auf die warmen und trockenen Tage gewartet zu haben, auf jeden zweiten Feld seh ich eine Erntemaschine und muss aufpassen, dass ich nicht von einem unter die Räder komme.

Gegen Mittag komme ich durch Albeck, der Heimatstadt von Robert Bosch. Der Weg geht nun erst mal ziemlich steil bergauf und das bei fast dreißig Grad. Die drei Liter Wasser sind schneller verbraucht als mir lieb ist, aber eine ältere Dame, die ich in Thalfingen anspreche, füllt meinen Wasserspeicher auf und so kann ich die letzten Kilometer nach Ulm in Angriff nehmen.

Es geht an der Donau entlang, die gar nicht so blau ist (und Krokodile schwimmen da auch nicht drauf!!!), und auf die letzten Kilometer ziehe ich noch mal das Tempo an. Und dann bin ich in Ulm (und um Ulm und um Ulm herum).

Ich besteige den Berblingerturm (zu Gedenken eines Schneiders, der bei einem Flugversuch mit seinen Gleitet hier in die Donau stürzte), bevor ich mir im Ulmer Münster meinen Stempel abhole.

Danach geht es auf direktem Weg zum Hotel, ich will endlich den Schweiß und Schmutz des Tages loswerden.

Es bleibt noch etwas Zeit mir Ulm anzuschauen, bevor der Hunger übermächtig wird und ich mir einen Klassiker der schwäbischen Küche gönne: Zwiebelrostbraten.

11.08.2023: Tag 49 – Von Neresheim nach Niederstotzingen (32,2km)

Nach dem Frühstück überreicht mir die Wirtin meine frisch gewaschene Wäsche, worüber ich mich wahnsinnig freue. Erst jetzt erfahre ich, dass ich ganz schön Glück mit dem Gasthof gehabt hab, denn ab morgen ist die Wirtin im Urlaub.

Heute geht es viel über Feldwege und das Wetter zeigt sich wieder von der besten Seite. Ich komme an Alpakas vorbei, die ich mit Äpfeln frisch vom Baum füttere, und stratze bis Staufen weiter, wo ich eine Pause mache und die Stille genieße.

Gegen Mittag komme ich nach Giengen an der Brenz, dem Geburtsort von Margarethe Steiff (kaum zu ignorieren bei der Vielzahl an Bären in der Einkaufsstraße).

Natürlich ist ein Besuch im Steiff-Museum Pflicht, wobei hier der Fokus doch sehr auf der Ausstellung von Kuscheltieren liegt. Nach gefühlten 2.000 Fotos, der Flucht vor einem Braunbär und dem Freundschaft schließen mit einem Eisbären, wird es aber Zeit für ein Mittagessen.

Und dann heißt es auch schon weiterziehen, denn ich hab noch ein gutes Stück vor mir. Es geht vorbei an Erntemaschinen und Getreidefeldern. Schatten suche ich lange Zeit vergebens und so rinnt der Schweiß heute wieder in Strömen. Gott sei Dank hab ich in Giengen noch meine Wasserflaschen aufgefüllt.

Müde und erschöpft komme ich in Niederstrotzingen an und zur Abwechslung gibt es heute eine kalte, anstatt einer heissen Dusche. Nachdem ich feststellen musste, dass der Gasthof meine einzige Option heute für ein Abendessen ist, gönn ich mir noch mal Käsespätzle. und Zack ist der Tag auch schon wieder rum.

10.08.2023: Tag 48 – Von Nördlingen nach Neresheim (24,1km)

Mit einem guten Frühstück und guter Laune im Bauch geht es wieder auf die Straße. Der Weg führt schnell aus der Stadt raus und auf die Feldwege raus. Heute ist Kaiserwetter, was ich total genieße.

An einem Denkmal für eine Schlacht bei Nördlingen im 17. Jahrhundert genieße ich den Albuch bevor mich der Weg durch ein Wildgehege führt. Schade nur, dass ich kein einziges Tier sehe, dafür aber ein Gemeindeschild, das mich sehr zum schmunzeln bringt.

Nach der Mittagspause führt das letzte Stück wieder über Feldwege und mittlerweile bin ich ziemlich durchgeschwitzt, als ich die Abtei von Neresheim erreiche.

Ich war ja schon von der Kirche des Klosters in Schöntal begeistert, aber die Fresken der Kirche verschlagen mir doch etwas die Sprache.

Im Klosterladen treffe ich einen der Benediktinermönche, der auch die Rolle des Bruder Tuck in Robin Hood hätte übernehmen können und kurz darauf taucht auch Rainer von gestern auf. Wir erfahren einiges über die Abtei und warum der Mann Mönch geworden ist, stillen unseren Durst und brechen auf zur Unterkunft. Leider liegt der Gasthof von Rainer etwas außerhalb und so treffen sich auch bald wieder unsere Wege.

Ich überbrücke die Zeit, bis ich in der Gasthof kann, mit einem Eis und bin wenige später von dem schönen Zimmer angetan und noch mehr darüber, dass mir die Wirtin anbietet meine Wäsche zu waschen und zu trocken.

Nach dem Einkauf und dem Abendessen im Gasthof buche ich die Unterkunft für morgen und pack die Beine hoch.

09.08.2023: Tag 47 – Von Oettingen in Bayern nach Nördlingen (23,8km)

Ich hab schlecht geschlafen auf der durchgelegenen Matratze und breche erst um neun Uhr auf, da heute eine verhältnismäßig kurze Strecke auf mich wartet.

Es erwartet mich leider wieder Regen, der mich bis zum Dorf Maihingen begleitet, wo ich einen Unterstand finde und die steifen Beine etwas ausruhen kann.

Nachdem der Regen aufgehört hat, schreite ich weiter meinen Weg, der auch als Romantische Straße ausgewiesen ist. Liebes Bayern, wenn das eine romantische Straße sein soll, dann betoniert die doch nicht!

In Wallerstein mache ich in einer Konditorei halt und gönn mir statt eines Mittagessens eine doppelte Portion Kuchen. Neben mir sitzt ein älteres Päarchen, wo sie eine Handarbeit macht, die sich als Occhi (Schiffchenarbeit herausstellt). Sie ist Amerikanerin und ist der Liebe wegen vor mehreren Jahren nach Nördlingen gezogen. Wir kommen über meinen Pilgerweg ins Gespräch und und ihr Mann erzählt, dass er schon über 2.000 IVV-Wanderungen (Internationaler Volkssportverband) absolviert hat. Die beiden herzlichen Dreiundachtzigjährigen verabschieden sich dann aber und ich setze meinen Weg fort.

Die letzten Kilometer bis Nördlingen sind schnell hinter mich gebracht und ich durchschreite eins der Tore der Stadtmauer, laufe durch die schöne Altstadt und komme bei der Kirche St. Georg an.

Hier erwartet mich eine Überraschung: es spricht mich ein netter Herr an, der sich als der Pilger Rainer vorstellt und wie ich von Nürnberg nach Konstanz will. Wir unterhalten uns über die Erfahrungen mit den Unterkünften und das heutige Wetter. Es trennen sich unsere Wege und leider verbasel ich es total mich mit ihm zum gemeinsamen wandern zu verabreden. Ich hoffe ich treffe ihn morgen auf dem Weg.

Mit einem neuen Stempel im Pass, mache ich mich schnell auf dem Weg zum Hotel, lege meinen Rucksack ab und begebe mich wieder zur Kirche, um den Kirchturm Daniel zu besteigen.

Leicht aus der Puste komme ich oben an und genieße die schöne Aussicht. Hier sehe ich auch, dass die Stadtmauer noch komplett erhalten ist und steuere, als ich wieder unten bin, den direkten Weg zu einem Aufstieg zur Stadtmauer.

Nachdem ich diese einmal komplett umrundet habe, wird es endlich Zeit für eine heisse Dusche und ein Abendessen.

08.08.2023: Tag 46 – Von Gunzenhausen nach Oettingen in Bayern (32,7km)

Das Universum scheint wegen gestern ein schlechtes Gewissen zu haben, denn zum Frühstück gibt es fluffige Waffeln, die Sonne scheint und ich komme an sehr witzigen Ortsschildern vorbei.

Es geht heute größtenteils über Feldwege und bei mir macht sich heute ein intensives Gefühl von Zufriedenheit breit, auch wenn es lange bergauf nach Spielberg geht.

Hier schaue ich mir die Burg und die dort ausgestellten Skulpturen an und genieße bei der Pause die Ausblick.

Gegen Mittag finde ich im Wald eine Jakobusschutzhütte, ideal für die Mittagspause, bevor ich die letzten 15 Kilometer nach Oettingen antrete.

Gegen halb fünf erreiche ich bei besten Wetter das schöne Oettingen (wo auch das Bier herkommt) und marschiere zielgerichtet zur Jakobuskirche.

Ich bin sehr angetan von den detailreichen Stuckarbeiten in der Kirche, dagegen ist der heutige Stempel sehr schlicht gehalten.

Das Hotelzimmer ist sehr schlicht und bietet wegen dem Personalmangel kein Frühstück an. Also lauf ich noch mal schnell zum Supermarkt, um etwas fürs Frühstück zu kaufen, dusche schnell und mache mich auf zum Abendessen.

Bis auf den Italiener haben aber alle anderen Restaurants geschlossen und so gibt es heute ne Pizza zur Stärkung.

07.08.2023: Tag 45 – Von Haag nach Gunzenhausen (37,8km)

„Na da haben Sie sich ja nicht das beste Wetter zum Wandern ausgesucht!“ sagt der Hotelier, als ich bei ihm bezahle. Stimmt, aber ändern kann ich es eh nicht, also ziehe ich mein Regencape über und ziehe los.

Es ist heute wirklich ungemütlich, feiner Nieselregen und Gegenwind und dann noch eine lange Etappe. Mir wird zeitweise so kalt, dass ich mir Handschuhe wünsche…Anfang August!

Aber ich will mich vom Wetter nicht unterkriegen lassen und schaue mir in Abenberg, dass ich nach acht Kilometern erreiche, erst die Burg und dann die Kirche an, wo ich auch einen Stempel kriege.

Als ich Abenberg ein gutes Stück hinter mir gelassen habe, frag ich mich, warum ich nicht wie gewohnt etwas in der Hand hab. Und so lauf ich noch mal zurück, um meine Stöcke zu holen, die ich in der Kirche hab stehen lassen. Kein Pilgerurlaub, ohne das ich mindestens einmal meine Stöcke holen muss.

In Wernfels finde ich nach über 20km endlich eine überdachte Möglichkeit für eine Mittagspause. Die Klamotten sind alle klamm und ich bin froh endlich was in den Magen zu bekommen.

Der Regen lässt nach, als ich aufbreche und es geht bergauf und bergab, mit den unschönen Ergebnis, dass ich leicht mit dem Fuss umknicke. Mal schauen wieviel Freude ich damit noch haben werde, kann aber meine Reise fortsetzen.

Auf einer Wiese trete ich fast auf ein Kaninchen, dass sich in einer Mulde versteckt hat (warum legen die sich alle mir in den Weg?).

Erschöpft, müde, durchgefroren und hungrig komme ich um 17 Ihr in Gunzenhausen im Hotel an, werfe meinen Rucksack kurz ab und will mir noch schnell einen Stempel holen. Der Einsatz ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt, sowohl die Kirche als auch die Touri-Info haben bereits geschlossen. Irgendwie nicht mein Tag.

Auf dem Rückweg kaufe ich im Supermarkt neuen Proviant und ein paar Brötchen zum Abendbrot, ich will heut einfach nicht mehr vor die Tür. Eine lange heisse Dusche und eine Tafel Schokolade helfen aber den Tag zu vergessen und hey: ich hab nen neuen Tagesrekord aufgestellt!

06.08.2023: Tag 44 – Von Nürnberg nach Haag (27,0km)

Der fränkische Jakobsweg ist zu Ende, nun geht es Richtung Konstanz. Und dafür lauf ich erst mal ein ganzes Stück am Ludwig-Donau-Main-Kanal entlang, bis ich Nürnberg endgültig verlasse.

Hinter Kornburg muss ich eine Treppe hoch, um eine vermeintliche Autobahnbrücke zu passieren. Tatsächlich verläuft hier aber der Donal-Main-Kanal über die Brücke. Gehört hatte ich zwar, dass es sowas gibt, aber tatsächlich davor zu stehen, macht doch etwas sprachlos.

Um 13 Uhr erreiche ich das schöne Schwabach und gönne mir bei einem Italiener ein warmes Mittagessen, da der Zielort Haag für mich keine Möglichkeit bereit hält dort zu Abend zu essen.

Das letzte Stück nach Haag geht über Feldwege und ist schnell beschritten, das Hotel schnell gefunden.

Als ich die Tür zu meinem Zimmer öffne bleibt mir kurz der Atem stehen, ich werde in Barbies Traumhaus übernachten… naja, mal was anderes. Nach der Dusche und dem obligatorischen Mittagsschläfchen mach ich daran Postkarten zu schreiben. Nach dem Abendbrot bleibt noch etwas Zeit zum lesen, bevor auch dieser Tag wieder rum ist.

05.08.2023: Tag 43 – Von Stein nach Nürnberg (11,6km)

Es fehlt ja noch ein Stück bis nach Nürnberg. Und so steig ich um sieben Uhr in die S-Bahn und fahr zurück nach Stein, treffe auf einer Bank einen anderen, aber recht schweigsamen Pilger und überquere erst die Regnitz und dann die Pegnitz bevor ich in Nürnberg eintrudel.

In der Jakobuskirche komme ich mit einem netten älteren Herren ins Gespräch, der mir meinen Stempel gibt und zudem noch ein paar nützliche Internetlinks für Unterkünfte auf meinen weiteren Weg. Nach dem Austausch unserer Pilgererfahrungen und einer Flasche Pilgerbier im Rucksack, mache ich mich auf in die Altstadt.

Hier ersteigere ich einen frischgebackenen Lebkuchen und feiere damit mein Bergfest, sowohl strecken- als auch zeittechnisch. Nach dem Besuch der St. Lorenz-Kirche wird es Zeit sich etwas politisch zu betätigen.

Es ist heute CSD in Nürnberg und nachdem ich den Großteil der Parade an mir hab vorbeiziehen lassen, laufe ich mit bis zurück zu Altstadt, wo mein Hunger überhand nimmt und ich nach einer Einkehrmöglichkeit Ausschau halte.

Ich werde an einem Falafelstand fündig, wo ich mit einer Nürnbergerin ins Gespräch komme, die als Berufschullehrerin für die Pflege arbeitet und die mir mehrere Tipps gibt, was ich mir in Nürnberg alles anschauen könnte. Ich entscheide mich dafür mir als erstes die Burg anzuschauen und mache mich auf den Weg.

Nach diversen Ritterrüstungen, Waffen und Münzen ist meine Aufnahmekapazität erschöpft und ich trete den Weg zum Hotel an, um mich etwas auszuruhen und kaufe auf dem Rückweg noch neue Wandersocken, da die ersten bereits durchgelaufen sind.

Ich starte abends noch einen zweiten Rundgang und gönn mir heute mal ein leichtes Abendessen mit dem ich den Abend beschließe.

04.08.2023: Tag 42 – Von Dietenhofen nach Stein (34,1km)

So Rucksack auf und weiter. das Wetter spiel wieder mit und nach zwei Stunden bin ich wieder auf dem Jakobsweg.

Ich komm gut voran, sehe mehrere Rehe und Hasen auf dem Weg und mache meine Mittagspause in Roßtal vor der Kirche und bewundere den dazugehörigen Friedhof, wo wirklich jedes Grab mit bunten Blumen bepflanzt ist.

Der Weg geht weiter durch den Wald, wo ich zum Teil meine liebe Müh damit habe, die Brennnesseln von meinen Knien fernzuhalten.

Gegen 16 Uhr erreiche ich zufrieden und erschöpft den Bahnhof der Stadt Stein und nehm die S-Bahn nach Nürnberg, morgen werde ich hier wieder starten.

Nachdem ich mich im Hotel etwas ausgeruht hab, mach ich mich auf dem Weg zu einem Restaurant, dass mir ein Freund empfohlen hat und versuche auf dem Weg dorthin mir schon etwas von der Stadt anzuschauen.

Es wartet auf mich eine seeeehr große Portion, die ich trotz des großen Hungers nicht ganz schaffe. Der anschließende Verdauungsspaziergang muss dann leider aufgrund des einsetzenden Regens eingekürzt werden und ich sortiere stattdessen die Urlaubsfotos schon mal.

03.08.2023: Tag 41 – Von Colmberg nach Dietenhofen (30,6km)

Die Sonne scheint in den Frühstücksraum, heute wird also ein guter Tag. Entspannt starte ich gestärkt meinen Weg, der mich den Vormittag über Waldwege nach Lehrberg führt.

Nach einer Pause in Wernsbach, wo ich auch meinen Stempel des Tages bekomme, mach ich mich über verlassene Straßen nach Dietenhofen, dass ein Stück abseits von Weg liegt, aber ich hab gestern keine andere Unterkunft gefunden.

Die Skyline von Dietenhofen ist geprägt von einem riesigen Playmobil-Werk und nachdem ich geduscht und die Wäsche gewaschen hab, erkunde ich wieder die Stadt.

Ein futuristisch anmutendes Gebäude entpuppt sich überraschender Weise als Kirche mit minimalistischen Design. Wer hätte gedacht sowas hier zu finden. Nach einer Portion Spagetti Bolognese verkrümel ich mich aber wieder in mein Hotelzimmer und studiere die Strecke für morgen.