02.08.2023: Tag 40 – Von Rothenburg ob der Tauber nach Colmberg (25,3km)

Ich starte um kurz nach sechs, in der Hoffnung zumindest einen Großteil der Strecke trockenen Fußes zurückzulegen, denn ab dem Vormittag ist durchgehend Regen angesagt.

Es sind erst mal ein paar Höhenmeter zu bezwingen, bevor der Weg wie gewohnt durch Wald und Maisfelder geht.

Bis Stettberg bleib ich trocken, dann holt mich der leichte Nieselregen ein, der mich zusammen mit Gegenwind bis Colmberg begleitet.

Durchgefroren hol ich mir in Colmberg meinen Stempel ab und starte den Aufstieg zur Burg, wo meine Unterkunft ist, in die ich erst nachmittags reinkomme, sowie das einzige Restaurant, wo ich ein Mittagessen bekommen kann. Gesättigt und wieder aufgewärmt schlage ich Zeit tot, denn das Wetter vergällt einem jegliche Draussenaktivität.

Ich hab mit dem Zimmer wieder Glück gehabt, gönn mir ein Nickerchen und füttere anschliessen bei der Abendsonne noch die Hirche, die zur Burg gehören, bevor ich den Tag vor dem Fernseher beschließe.

01.08.2023: Tag 39 -Von Blaufelden nach Rothenburg ob der Tauber (28,2km)

Es beginnt mit leichten Nieselregen. Okay, damit kann ich um, also breche ich auf. Blöder Fehler. Der Regen weitet sich immer stärker aus und bereits beim Ort Schrozberg, wo ich eine Pilgerstatue entdecke, sind meine Füße schon ziemlich nass.

Kurz hinter Schrozberg finde ich im Wald eine Hütte, wo ich mich unterstellen und meine Socken auswringen kann. So macht das keinen Spaß. Nach einer Stunde lässt der Regen endlich nach und ich kann weiter.

Pausen lässt mir der Weg in Ermangelung von trockenen Sitzgelegenheiten nicht, da können auch die mehreren Begegnungen mit Rehen die Laune nicht wirklich bessern.

Kurz vor Ende klart der Himmel aber auf und ich erreiche bei besten Sonnenschein Rothenburg ob der Tauber.

Ich bin ziemlich angetan von der Altstadt, hole mir schnell einen Stempel in der Touristeninformation und in der Jakobskirche (Doppel hält besser) beziehe schnell mein Hotelzimmer und bin nach der Dusche auch schon wieder unterwegs.

Zur Stärkung gibt es erst mal eine Tauberkugel. Es ist das erste Mal, dass mir zu Gebäck neben einer Gabel auch ein Steakmesser gereicht wird.

Mit gefühlt 100.000 Kalorien im Bauch erkunde ich weiter die Altstadt, besuche das Weihnachtswunderland von Käthe Wohlfahrt (Gott sei Dank, kann ich nichts mitnehmen, ich wär sonst pleite) sowie das mittelalterliche Kriminalmuseum.

Zum Abendessen gönne ich mir einen Klassiker der fränkischen Küche. Das Wohlbefinden ist wieder hergestellt und die Strapazen des Tages schon vergessen.

31.07.2023: Tag 38 – Von Krautheim nach Blaufelden (36,1km)

Nach einem wirklich schlechten Frühstück mache ich mich zügig auf den Weg. Habe gestern leider nur eine Unterkunft gefunden, die etwas ab vom Weg ist und die Distanz ist sogar für mich ne Herausforderung.

Zum Glück geht es weiter an der Jagst entlang, die von Steuobstwiesen gesäumt ist und so muss ich nicht viel nach Wegweisern schauen und hab ein sportliches Tempo drauf.

Hinter dem Ort Dörzbach (Die Namensgebung mancher Orte ist echt zum Schießen) komme ich an einer Kapelle vorbei, die in eine Grotte reingebaut ist und wo ich den Stempel des Tages bekomme. Fix geht es weiter.

Der Weg läuft bis Heimhause, wo ich Mittagsrast mache, ziemlich eben. Danach geht es aus und das wirkt sich auf meine Wasservorräte doch merklich aus.

Gegen halb zwei erreiche ich durchgeschwitzt Herrentierbach, das Wasser ist fast alle und ich hab noch neun Kilometer vor mir. Als ich eine ältere Dame frage, ob ich hier irgendwo ein Geschäft ist, verneint sie dies, aber sie schenkt mir zwei Flaschen Wasser (Die Menschheit ist doch nicht so schlecht) und ich kann mich zur letzten Etappe aufmachen.

Abgekämpft komme ich in Blaufelden an, wo ich kein Zimmer, wie ich gedacht hab, sondern eine ganze Ferienwohnung gebucht hab, die doppelt so groß wie meine eigene Wohnung ist.

Hier kann ich in Ruhe meine Wäsche waschen und meinen Kohldampf mit einem großen Teller Nudeln stillen, bevor ich erschöpft ins Bett falle.

30.07.2023: Tag 37 – Von Möckmühl nach Krautheim 36,5km)

Ich breche heute bereits um sieben Uhr auf, ich hab eine längere Strecke heute vor mir. Sonne und Regen streiten den ganzen Vormittag über die Herrschaft des Tages und ich kämpfe damit den Weg zu finden und nicht irgendwelche Schilder fehlzuinterpretieren.

Heute gibt es zumindest einen Mix auf Feldwegen und Waldabschnitten, das hebt schon etwas die Stimmung.

Gegen Mittag erreiche ich Berlichingen, bin ein wenig enttäuscht, dass bis auf das Schild am Ortseingang wenig sich auf den berühmten Götz bezieht und mache Rast.

Die Sonne hat den Kampf für sich entschieden und ich starte mit frischer Energie zur zweiten Runde. Fast wäre ich dabei am Kloster Schöntal wo mir eine beeindruckend schöne Kirche sowie ein Stempel entgangen wären.

Der Weg geht nach dem Kloster lange gerade aus und so kann ich den Kopf schön abschalten und laufe im zügigen Tempo bis Wildeshausen, wo ich mir ein Eis gönne.

Es geht zur letzten Etappe nach Krauthein, dass ich gegen 17:00 Uhr erreiche. Der Gasthof schleudert mich zurück in die 1960er Jahre, zumindest sind das gesamte Interieur so aus, als sei es seitdem nicht erneuert worden. Beachtenswert hier ist, dass der Duschkopf Wasser in wirklich jeder Richtung spritzt, nur nicht dahin wo er soll, so dass sogar ich zarte Elfe von Wasserstrahl zu Wasserstrahl springen muss.

Nach einem etwas mäßigen Abendessen (passend zum Gasthof) zieh ich mich aufs Zimmer zurück und verbringe den Abend mit Postkarten schreiben.

29.07.2023: Tag 36 – Von Bad Friedrichshall nach Mockmühl (27,2km)

Nach dem Frühstück bezahle ich’s noch meine Übernachtung und erfahre hierbei, dass die Besitzerin in Mannheim aufgewachsen ist, lange Zeit mit ihrer Famile in Bad Oldesloe gewohnt hat und nun seit fünf Jahren nun in Friedrichshall wohnt. Gott sei Dank hatte ich schon einen Kaffee sonst wären mir das definitiv zu viele Informationen am frühen Morgen gewesen.

Der Regen hat aufgehört als ich starte und ich lauf vorbei an Feldern, an denen Bohnen, Kohl und Gerste auf die Ernte warten. Die gestern im Supermarkt gekaufte Stützbandage für das Knie scheint zu funktionieren, denn das Knie bleibt den ganzen Tag ruhig.

Gegen Mittag erreiche ich die Stadt Neudenau, die einen zwar kleinen aber schönen Altstadtkern hat. Und passend zu Mittagspause kommt doch tatsächlich die Sonne raus.

Der Weg führt weiter an dem Fluss Jagst entlang und heute fühlt sich das Wandern endlich wieder leicht an (schon beachtlich, was schmerzfreies gehen und Sonnenschein bewirken können).

Nach einer zweiten Pause sind die letzten Kilometer schnell abgewandert und ich erreiche gegen halb vier meine Unterkunft im sehr schönen Mockmühl. Leider hat die Touristeninformation schon zu und auch in der Kirche finde ich keinen Stempel. Naja, gibt schlimmeres.

Nachdem für morgen alles organisiert ist, zieh ich noch mal los, um mir die Stadt anzuschauen.

Tapfer kraxle ich noch den Berg zur Burg hoch, nur um festzustellen, dass diese in Privatbesitz ist und ich nicht weiter als bis zum Tor komme. Etwas betrübt geht es zurück zur Unterkunft.

Als mich wenig später die Dame für die Herberge Wegenetz Rechnung per WhatsApp kontaktiert (die Herberge funktioniert ohne Personal), frage ich nach, ob sie noch eine Möglichkeit weiß einen Stempel zu bekommen. Eine halbe Stunde später kommt der Chef vorbei mit Stempel und einer kleinen Flasche Rotwein als Geschenk… manchmal muss man nur lieb fragen. Prost!

28.07.2023: Tag 35 – Von Sinsheim nach Bad Friedrichshall (29,7km)

Nachdem der Regen nachgelassen hat, mach ich mich wieder auf den Weg. Es ist etwas frisch und der Weg geht vorbei an abgemähten Getreidefeldern.

In Grombach finde ich endlich eine geschützte Ecke, um zu rasten und meine Banane zu essen. Der Regen ist eigentlich gar nicht so schlimm, dafür aber die Tatsache, dass man sich kaum irgendwo hinsetzen kann.

Zu Abwechslung geht der Weg endlich mal in den Wald, der mich vor den gelegentlichen Nieselregen schützt.

Gegen Mittag erreiche ich den Kurort Bad Rappenau. Der Soleabbau wurde und wird in den Luftkurort integriert. So komme ich an einen Gardierwerk vorbei an den Sole über Reisigzweige tropft und eine salzige Luft schafft.

Gegen 15 Uhr erreiche ich dann das sehr schöne Bad Wimpfen, mit seinen vielen Fachwerkhäusern und einer Stadtkirche mit auffallenden Deckengewölbe.

In meinem Zielort Bad Friedrichshall muss ich feststellen, dass mein Hotel etwas abseits vom Weg liegt und so gewinne ich noch zwei unfreiwillige Kilometer, bevor ich den Rucksack ablegen und meiner gewohnten Routine folgen kann. Ich bin zu müde um noch ein großartiges Sightseeing zu betreiben und gehe stattdessen zeitig ins Bett.

27.07.2023: Tag 34 – Von St. Leon-Rot nach Sinsheim (26,1km)

Nach dem Frühstück fährt mich Nik noch mal ein letztes Mal zum Startpunkt. Während er sein Handicap auf dem Golfplatz verbessert, mache ich mich auf den Weg.

Kurze Zeit später setzt der Regen ein und damit wird das Cape heute durchgehend mein Begleiter. Immer häufiger sehe ich nun, dass der Weg als Jakobsweg ausgewiesen ist. Und in einer kleinen Kapelle auf dem Letzenberg bekomme ich sogar einen Stempel.

Es geht an Weinreben vorbei wieder bergab durch Malsch und Mühlhausen nach Angelbachtal, wo ich nur kurze Rast auf einer Bank machen kann bevor ein starker Regen einsetzt. Und so verschiebe ich das Mittagessen, laufe an den Skulpturen im Schlosspark vorbei und nehme die letzten neun Kilometer für heute in Angriff.

Durchgeweicht und hungrig komme ich gegen halb vier in Sinsheim an und hole mir auf dem Weg zum Hotel noch einen zweiten Stempel bei der Touristeninformation.

Nach einer heissen Dusche, was zu Essen im Bauch und einer Stunde ruhen bin ich wieder soweit hergestellt, dass ich wieder was unternehmen kann. Und so gönne ich mir nach dem Abendessen einen seeeeeehr teuren Besuch in der hiesigen Therme zum Tagesausklang.

26.07.2023: Tag 33 – Von Limburgerhof nach St. Leon-Rot (32,1km)

Nach dem Frühstück fährt mich Nik freundlicherweise wieder zu meinen Startpunkt in Limburgerhof. Der morgendliche Regen lässt schnell nach und so kann ich bald das Regencape für den Rest des Tages im Rucksack verstauen.

Parallel zu den Gleisen geht es Richtung Schifferstadt, ein Ort mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern.

Neben der Landstraße geht es dann auf direktem Weg nach Speyer, naja bis auf den kleinen Umweg dank einer Straßensperrung. Pünktlich um 12 Uhr komme ich am Dom von Speyer an und bekomme bei einer netten Dame mit ausgeprägten französischen Akzent heute wieder einen Stempel.

Im Anschluss an eine ausgedehnte Mittagspause geht der Weg über den Rhein und damit verlasse ich das Bundesland Rheinland-Pfalz. Hallo Baden-Württemberg!

Die Strecke zieht sich heute. Es geht fast nur gerade aus und meist parallel zu Landstraße. Altlußheim und Neulußheim bieten da auch nicht wirklich Abwechslung. Gegen 16:30 Uhr komme ich in St.Leon-Rot an und kriege auch hier einen Stempel (das Defizit von gestern ist damit ausgeglichen).

Nun geht es zum, nach Aussage von Nik, schönsten Golfplatz Deutschlands, wo Nik mich wieder abholt. Gott sei Dank, denn heute bin ich echt etwas im Eimer.

Zum Abendessen lassen wir uns was vom Thailänder liefern und lassen den Abend mit einem Brettspiel ausklingen. Ich bin schon etwas traurig, dass es der letzte gemeinsame Abend ist, aber die Distanz zwischen dem Weg und Mannheim ist einfach zu groß geworden.

25.07.2023: Tag 32 – Von Worms nach Limburgerhof (30,2km)

Nachdem Nik mich zuerst mit einem Strammen Max zum Frühstück beglückt, fährt er mich freundlicherweise auch noch nach Worms. Allein dafür wird er heute ins Nachtgebet eingeschlossen.

Der Regen hört pünktlich zum Antritt der heutigen Etappe auf (Danke liebes Universum) und ich starte durch einen Park bevor es am Deich entlang des Rheins geht.

Nach ein paar Kilometer kommt der Schmerz im Knie zurück, bleibt eine Weile und verschwindet dann auch wieder abrupt, weiß der Geier warum.

Mit erreichen dem Moloch BASF setzt dann doch der prognostizierte Regen ein und sorgt für durchgeweichte Füße und fehlend Möglichkeiten sich für eine Weile hinzusetzen, ich nehm es gelassen. Lohnt sich eh nicht sich drüber zu ärgern.

Hinter Oggersheim finde ich einen Unterstand (es hat zwischenzeitlich aufgehört zu regnen), ziehe die Schuhe aus, damit die Füße etwas trocknen können und mach für 10 Minuten die Augen zu. In der Zwischenzeit okkupiert ein schleimiger Hausbesitzer meinen Schuh (von wegen Schnecken sind langsam).

Das letzte Stück nach Limburgerhof ist erst geprägt von einem Park und dann einem langen Feldweg ohne Unterstellmöglichkeiten, wo ich mir zum Abschluss eine zweite Dusche abhole.

In Limburgerhof bleiben die Kirchtüren für mich verschlossen. Also gibt es zu Trost ein Eis zusammen mit Nik, der mich hier auch wieder abholt (Einschluss ins Abendgebet mit Sternchen!)

Am Abend treffe ich noch zwei andere Freunde, die ich über die Arbeit in Mannheim kennenlernt hab, zum Pizzaessen und Quatschen über Gott und die Welt. Müde und zufrieden falle ich in mein Nachtlager.

24.07.2023: Tag 31 – Von Oppenheim nach Worms (31,2km)

Kurz nach acht Uhr geht es wieder die Weinberge hoch. Ich bin hochmotiviert und hab ein entsprechend sportliches Tempo drauf. Das passt meinem Knie allerdings gar nicht und der Schmerz schiesst so abrupt ins Gelenk, dass ich kurz anhalten muss.

Aber aufgeben ist nicht und so gehe bzw. humple ich weiter, wenn auch bedeutend langsamer über den nicht enden wollenden Asphalt.

Gegen Mittag erreiche ich nach 15 km Mettenheim. Für die Strecke bräuchte ich grundsätzlich drei Stunden, heute sind es vier gewesen. Ich treffe daher die Entscheidung nicht mehr den verschlängelten Weg durch die Weinhänge fortzusetzen und stattdessen den direkten Weg im Tag zu bestreiten.

Ich wandere parallel zur Landstraße über Osthofen nach Worms. Ich hab Osthofen noch nicht mal erreicht, da sind die Schmerzen weg, nicht weniger, sondern weg! Ich nehm das als dezenten Hinweis vom Universum erreiche gut gelaunt Worms.

Der St. Peter Dom ist schnell gefunden und auch hier kriege ich wieder einen Stempel (es läuft). Nun geht es mit der Regionalbahn nach Mannheim, wo ich bei meinen Freunden Jens und Nik übernachten kann.

Die beiden laufen mit ihrer Gastfreundschaft mal wieder zu Höchstform auf und wir beschließen den Abend bei einem guten Abendessen im Biergarten