02.09.2021: Tag 20 – Von Köln nach Wesseling (22,2km)

Die sehr liebevolle „Betreuung“ von Alex und Björn macht es schon etwas schwer aufzubrechen. Gegen kurz vor acht Uhr bin ich wieder am Dom und komme wieder nicht rein, weil schon wieder Messe ist. Da ich den Dom schon ein paar Mal von innen gesehen habe, ziehe ich dann ohne Besichtigung weiter.

Durch das Stadttor am Chlodwigplatz geht es Richtung Rhein und dort herrscht noch dicker Morgennebel.

Hier ist es so kalt und windig, dass ich doch noch mal meine Jacke aus dem Rucksack kramen muss und laufe, nachdem sich der Weg von Rhein löst durch diverse Wohnstraßen.

Ab Sürth läuft der Weg durch ein Industriegebiet und ich stoße auf große Anlagen von Firmen wie Evonik und Shell.

Gegen halb zwei bin ich in Wesseling im Hotel und der freundliche Wirt zeigt mir nach der Aufnahme meiner Daten mein Zimmer. Eigentlich würde ich gern duschen, aber der Wirt verbeißt sich anders Tatsache, dass der Fernseher nicht angeht. Da nützt auch mein Einwand nichts, dass ich den gar nicht brauche.

Nach Behebung des Fehlers und meiner Discje schaue ich mir Wesseling an, aber ich gewinne den Eindruck, dass hier noch immer Lockdown herrscht, denn die meisten Geschäfte sind geschlossen und es sind kaum Menschen auf der Straße.

Und so begebe ich mich nach einem späten Mittagessen zurück zum Hotel und schreibe Postkarten.

Erkenntnis des Tages: Wenn man eine kurze Etappe einlegt, sollte man sich ne größere Stadt als Ziel wählen. 🙂

01.09.2021: Tag 19 – Von Welmerskirchen nach Köln (36,9km)

Es geht wieder früh los, denn heute soll es nach Köln gehen und da habe ich einiges vor mir. Gott sei Dank geht es den ganzen Tag bergab…. also wörtlich gemeint.

Es geht lange Zeit durch einen sehr schönen Wald, entlang des Eifgenbachs, bis ich an eine Sperrung komme und auf eine Alternativroute ausweichen muss. Dieser Forstweg endet jedoch nach einiger Zeit im Nichts und ich muss mich durch ein freies Feld mit abgeholzten Bäumen kämpfen. Natürlich rutsche ich aus und lande wie ein Maikäfer auf dem Rücken und komme nicht wieder hoch. Also abschnallen und sich weiter fluchend den Weg zur Straße bahnen.

An der Straße entlang komme ich nach Altenberg, einem Zisterzienserkloster mit einem eindrucksvollen Dom, der wegen Bauarbeiten erst heute wieder geöffnet ist (ich hab also mal wieder Glück).

Die nette Dame von der Information ist so interessiert an mir, dass sie mir zum Dom folgt und mich zu meiner Reise befragt, während ich den Stempel in meinen Pass drücke.

Der weitere Weg ist geprägt durch die Starkregen der vorangegangenen Wochen, ich muss über mehrere umgestürzte Bäume krabbeln bzw. drum herumgehen.

An einer Stelle nützt mir aber auch das nichts und ich muss alternativ an der Straße entlang.

Später gönne ich meinem linken Schuh unfreiwilligerweise eine Schlammpatina, als ich richtig tief versinke…. Naaaaaa toll! Nützt nix. So gut es geht sauber machen und dann weiter.

Den Rest des Wegs geht in gerader Linie durch Köln zum Dom und ich freue mich, also ich die Hohenzollernbrücke beschreite und das Ende der heutigen Wanderung einleite.

Nachdem ich zwar nicht in den Dom komme, aber einen Stempel ergattere, nehme ich mir ein Taxi zu meinen Bekannten Alex und Björn. Wo ich sehr lecker bekocht und gepflegt werde.

Erkenntnis des Tages: Nichts geht über Hausmannskost!

31.08.2021: Tag 18 – Von Gevelsberg nach Wermelskirchen (33,1km)

Mit einem Frühstück, dass wie ein Stein im Magen liegt, mach ich mich auf den Weg. Gevelsberg macht seinen Namen alle Ehre und trotz der herbstlichen Temperaturen hab ich schnell die Jacke aus.

Schnell ist der Ort Schwelm erreicht, einmal kurz gegen die verschlossene Tür der Kirche gelaufen und dann geht es durch den Wald runter zur Wupper.

Nach ein paar Kilometern es im Wald dann wieder aufwärts. Das macht zwar großen Spaß sich über Baumwurzeln den Weg nach oben zu kämpfen, es ist… *japs* aber…*schnauf* auch…*schwitz* anstrengend.

Hierbei fällen mir mehrere schwarze Pilze auf, die ich noch nie gesehen habe (Pilzkenner bitte vor!)

Gegen 14:00 Uhr erreiche ich recht abgekämpft und entnervt, weil die Wegausweisung heute echt schlecht ist (Lieber Herr Laschet, da sie ja auf Bundesebene nicht viel gebacken kriegen, wie wäre mal mit ner vernünftigen Beschilderung in ihrem Bundesland?), Remscheid-Lennep, dem Geburtsort von Wilhelm Röntgen.

Hier sind, wie für die Region typisch, die Häuser der Altstadt mit Schiefer verkleidet und typischerweise mit weißen Fensterrahmen und grünen Fensterläden ausgestattet. In einem Pilgerladen kriege ich neben meinem Stempel zudem noch einen Schutzengelkeks mit Glücksspruch.

Ausgestattet mit mehr Wasser mache ich mich an die letzten neun Kilometer des Tages und die sind Gott sei Dank mit wenig auf und ab versehen, denn die Luft ist für heute langsam raus.

Müde, wund gelaufen und hungrig komme ich im Hotel an, dusche schnell und gönne mir dann beim nahe gelegenen Italiener eine fettige Pizza.

Es bleibt gar nicht mehr viel Zeit die Vorbereitungen für morgen zu erledigen, bevor es dann ins Bett geht, morgen wird ein langer Tag.

Erkenntnis des Tages: Niedersachsen hat sich mehr Mühe mit der Wegausweisung gegeben als Nordrhein-Westfalen.

30.08.2021: Tag 17 – Von Dortmund nach Gevelsberg (31,5km)

Etwas ungern verlasse ich mein schönes Hotelzimmer und mache mich auf die Socken.

Durch den Wald geht es erstmal vor zu einem Denkmal von Kaiser Wilhelm, bevor der etwas rutschige Abstieg zum Hengsteysee beginnt.

Nach einem kurzen Schauer soll es dann aber für den Rest des Tages trocken bleiben. Mein Weg läuft entlang des Sees, an dem ein großes Pumpspeicherwerk angeschlossen ist und führt mich nach Herdecke.

Hier gibt es nach meinem Stempel erst mal ein Frühstück. Erst wundere ich mich, warum der Weg eine Schleife durch Herdecke macht, aber die sehr vielen schönen Fachwerkhäuser lösen das Rätsel schnell.

Es geht weiter durch kleinere Orte wie Hagen-Nord, bevor es über grüne Wiesen dann wieder in den Wald geht.

Heute geht es mehrfach rauf….und wieder runter. Der Schweiß rinnt, der Weg ist über große Strecken matschig, aber es macht trotzdem richtig Spass.

Das Schild einer Bank nehme ich wörtlich und genieße den Blick ins Tal, bevor ich mich an den Abstieg nach Gevelsberg mache und an einem Wildschweingehege (ich bin mal gespannt, was noch so für Tiere auf mich warten) vorbeikomme.

Das Hotel ist schnell gefunden und nach duschen, Wäsche waschen und neues Hotelzimmer buchen (ich verkomme total zum Mastercard-Pilger), schau ich mir noch etwas Gevelsberg an.

Erkenntnis des Tages: Das Bergauf und -ab ist das Salz des Pilgerweges.

29.08.2021: Tag 16 – Lünen nach Dortmund

Müde, weil die halbe Nacht sich Gäste des Gasthofs laut vor meinem Fenster unterhalten hatten, mache ich mich auf den Weg nach Dortmund.

Anfangs ist es nur ein sehr feiner Nieselregen, der mich begleitet, der sich nach Brechten aber zum ausgewachsenen Regen mausert und ich werfe mir mein Cape über.

Ich verabrede mich mit meiner ehemaligen Kommilitonin Silke zum Mittagessen am Zoo von Dortmund und mit diesem Zwischenziel gebe ich Gas und strotze dem Regen.

Ich erreiche pünktlich das Restaurant, bin aber recht durchgeweicht und durchgefroren.

Aber das ist schnell vergessen, als ich was im Magen habe und mit Silke über Corona, Lebensplanung, Urlaubserlebnisse und schlimme Nachbarn (also ihrer, meine sind super! *Wink an Hajo und Dennis*).

Aber bald müssen sich unsere Wege schon wieder trennen und ich trete meinen letztes Wegstück des Tages durch einen Wald an.

Nachdem ich etwas umständlich den Eingang des Hotels gefunden hab, und etwas maulig bin, dass ich das Zimmer ganz oben bekommen habe, bin ich doch sprachlos über das schöne Zimmer mit dem offenen Dachstuhl.

Es nützt aber alles nichts, mir ist kalt und so gönn ich mir nach der Dusche ein Nickerchen, bevor ich im nahe gelegenen Restaurant zu Abend esse und mich für morgen vorbereite.

Erkenntnis des Tages: Ein Wiedersehen muss nicht lang, um herzlich zu sein

28.08.2021: Tag 15 – Von Herbern nach Lünen (26,8km)

Nach dem Frühstück geht es wieder los, ohne Stempel, die Kirche hat immer noch zu.

Ich komme an dem Schloss Westerwinkel vorbei, sage einmal „Ooooh“ und „Aaaah“ und dann geht es auch schon wieder weiter.

Der Weg geht wieder durch Wiesen und Felder, dafür aber auch mal auf Schotterwegen und ich komme an etwas vorbei, von dem ich dachte, dass es das gar nicht mehr gibt: Schweine in der Freilandhaltung.

Neugierig (okay, wahrscheinlich spekulieren sie nur auf was zu fressen) kommen die Schweine angetrabt und blicken treumütig in die Kamera.

Kurz vor Werne bekomme ich neben einer Pilgerstatue einen Stempel und kurze Zeit später gönne ich mir in Werne einen Kaffee und ein Minzwasser (Kindheitserinnerungen an Sommerurlaube in Frankreich kommen hoch).

Es ist noch immer trocken, als ich im Wald etwas umständlich versuche mich bei den Matschfeldern nicht auf die Nase zu legen.

Gegen 15:00 Uhr trudle ich in Lünen ein, und freu mir nen Keks, als es erstmals zu regnen anfängt, als ich aus der Dusche komme.

Leider bleibt das für den Rest des Tages so, so dass ich die Zeit dafür nutze die Füße hochzupacken.

Erkenntnis des Tages: Nichts tun hat auch seinen Charme.

27.08.2021: Tag 14 – Von Münster nach Herbern (33,2km)

Der Tag beginnt damit, dass ich noch mal umkehre. Nein, ich habe nichts im Hotel vergessen, aber meine Freundin Ulrike läd mich spontan auf Ihrem Balkon zu einem Kaffee und einen kurzen Plausch ein.

Nun aber wirklich los. Es ist halb elf, als ich schließlich Münster hinter mir passend erst mal ein langes Stück parallel zu den Bahngleisen laufe.

Der Tag ist heute echt eine Herausforderung, körperlich wie mental. Zum einen ist der Weg durchgehend asphaltiert und es geht NUR durch Maisfelder.

Zum anderen wechselt das Wetter gefühlt alle zwanzig Minuten von Sonnenschein und heiss zu Regen und kalt mit einem Gewitter zum Abschluss, dass meine Socken komplett durchnässt.

Müde, abgekämpft und durchgefroren erreiche ich das Hotel in Herbern und sehe mich einer quirligen Empfangsdame gegenüber, die es durch ihre Art doch noch schafft meine Stimmung etwas zu heben. Nun aber duschen, lange duschen und dann ne Runde ins Bett zum aufwärmen.

Nach dem Abendessen mach ich mich doch noch mal auf zur Kirche für meinen Stempel, aber die ist, mal wieder, verschlossen. Vielleicht dann morgen früh.

Ich versuche mich emotional darauf einzustellen, dass das Wetter morgen nicht besser ist und kuschel mich wieder unter die Decke.

Erkenntnis des Tages: Ich hab mir heute etwas zu viel zugemutet.

26.08.2021: Tag 13 – Von Ladbergen nach Münster (31,7km)

Das frühe Aufstehen hat sich wieder gelohnt, denke ich, als ich ein Fasanenpärchen und einen Regenbogen sehe.

Es geht den Vormittag immer mal wieder am Dortmund-Ems-Kanal vorbei und ich etwas überrascht wie viele Boote unterwegs sind.

Der Wald hat heute durchaus ne Menge zu bieten: Neben vielen Pilzen werde ich heute auch Zeuge eines kurzen Kampfes zwischen zwei Greifvögeln. Gepaart mit mehren umgestürzten Bäumen wird der Weg heute zum Abenteuerpfad.

Gegen halb zwei erreiche ich das Haus Dyckburg, was eine ehemalige Wasserburg aus den 15. Jahrhundert gewesen ist mit der dortigen Kapelle.

Zwei Stunden später bin ich am Hotel und widme mich der Körperpflege bevor ich mich wieder auf den Weg mache Münster zu erkunden.

Schon schnell wird mir klar, ein Nachmittag langt bei dieser Stadt nur für eine Momentaufnahme und ich muss noch mal wieder kommen und mir die Stadt in Ruhe anschauen.

Im St.Paulus-Dom gibt mir eine sehr freundliche Dame meinen heutigen Stempel in meinem Pass und fragt interessiert wohin meine Reise noch gehen soll.

Ungefähr fünf Kirchen später entscheide ich mich dazu noch zum Schloss zu laufen und dann, das Sightseeing für heute bleiben zu lassen.

Und so erfreue ich mich noch an der untergehenden Abendsonne, bevor ich den Weg zurück zum Hotel antrete und gönne mir dabei noch ein Highlight als Abendessen.

Erkenntnis des Tages: Peanutbutter-Banana-Waffles schmecken nach einer langen Wanderung noch mal viel besser… und das geht eigentlich nicht!!!

25.08.2021: Tag 12 – Von Hasbergen nach Ladbergen (30,4km)

Noch etwas verschlafen mache ich mich auf zum Bahnhof und 15 Minuten später bin ich schon wieder in Hasbergen und auf dem Jakobsweg.

Die Schatten der Bäume auf den gemähten Feldern sind noch lang als ich den Ort hinter mir lasse.

Langsam ändert sich das Landschaftsbild. Nicht die Wälder und Felder, die bleiben, aber es wird doch hügeliger.

In Lengerich komme ich bei meinem Kaffee kurz mit einem älteren Herren ins Gespräch, der mich auf meinen Rucksack anspricht und erzählt, dass er früher weite Radtouren, sogar bis zum Nordkap gemacht hat. Mit frischen Stempel im Pass geht es weiter.

Das Wetter ist super und ich habe das Gefühl vor Leichtigkeit zu fliegen und singe auf dem menschenleeren Weg mit Anita und Roy um die Wette, wie schön es ist auf der Welt zu sein.

Kurz vor Ziel komme ich an einer Alpakafarm vorbei, die drolligen Tiere nehmen aber nur begrenzt Notiz von mir, und ausleihen kann man sich die Tiere für einen Spaziergang leider nicht.

Nach einem anfangs leichten Kommunikationsproblem mit der Wirtin beziehe ich mein Zimmer und hau mich etwas aufs Ohr, bevor ich mir noch mal etwas Ladbergen anschaue.

Erkenntnis des Tages: Nussecken mit gemahlenen Nüssen schmecken nicht so recvt

24.08.2021: Tag 11 – von Engter nach Hasbergen (30,6km)

Als ich aus dem Taxi in Engter aussteige liegt noch der Morgennebel über den Felder und verleiht dem ganzen eine fast magische Atmosphäre.

Es geht über Rulle nach Osnabrück mit mehreren Pausen, da heute die Beine etwas schwer sind. Ich muss lachen, als ich an einer Familie vorbeikomme, wo die Jüngste ausruft: „Du quietscht ja voll!“ Ich selber höre das schon gar nicht mehr.

Gegen Mittag erreiche ich den Dom von Osnabrück und das Riesenrad davor. So ne Chance biete sich so schnell nicht noch einmal, also rauf und danach den Stempel im Dom abgeholt.

An der St.Marienkirche könne ich mir zur Stärkung Kaffee und Kuchen bevor ich die letzten elf Kilometer für heute in Angriff nehme.

Ich bin frisch gestärkt, die Sonne scheint, ein leichter Wind weht und es geht quer durch grüne Wiesen, die nach frisch geschnittenen Gras riechen… besser geht es einfach nicht.

In Hasbergen hab ich Glück (wie so oft auf der bisherigen Reise, darf gern auch so bleiben) und ich muss nicht lang auf die Bahn warten, die mich zurück nach Osnabrück bringt und dann ab ins Hotel, die wohlverdiente Dusche nutzen.

Erkenntnis des Tages: Es braucht nicht viel fürs Glück.