18.08.2023: Tag 56 – Von Meckenbeuren nach Markdorf (22,2km)

Vorletzter Tag. Ich hab schlecht geschlafen und brauche heute mit allem länger, so dass ich ich erst nach neun aufbreche.

Und auch heute ist es wieder heiß und Schatten ist in den Apfel- und Birnenplantagen eher Mangelware. Auffällig ist aber heute, dass ich an mehreren Pilgerdenkmälern vorbeikomme.

Kurz vor dem offiziellen Tagesziel treffe ich zwei Frauen, die für ein paar Tage mit ihren Söhnen pilgern, tausche mich kurz mit ihnen aus und dann ziehe ich weiter nach Markdorf.

Es ist halb zwei, es ist heiss, ich hab Hunger, bin k.o, muss aufs Klo und komm an einer klimatisierten Bäckerei vorbei, wie schön, wenn alle Bedürfnisse auf einmal befriedigt werden.

Ich mach mich durch Weinreben auf zu dem Ferienapartment, dass ich gebucht hab und das im nächsten Ort Bermatingen liegt. Ich muss noch mal ne Siesta einlegen, bevor ich das letzte Mal in diesem Urlaub die Wäsche wasche und mich zurück nach Markdorf mache, um für das Frühstück einzukaufen und zu Abend zu essen.

Am Abend trete ich den Heimweg an und könnte schon wieder duschen, als ich ankomme. Morgen endet diese Reise erst mal wieder und mein Gefühl ist eine Mischung aus Bedauern, Zufriedenheit und Erleichterung, also wie immer, wenn es zu Ende geht.

17.08.2023: Tag 55 – Von Ravensburg nach Meckenbeuren (16,4km)

Ich verlasse die Stadt der Spiele gegen halb neun. Die Sonne scheint, es ist noch nicht so heiss und ich gehe heute mit einer Leichtigkeit durch den Wald, die mir die letzten Tage doch etwas gefehlt hat.

Da ich heute nur eine kurze Strecke vor mir habe, laufe ich diese in einem Rutsch durch, hol mir den obligatorischen Stempel in der Kirche ab und kann schon gegen Mittag meinen Rucksack im Hotel abgeben.

Da ich sonst nichts mehr vor habe und Meckenbeuren jetzt nicht so viel bietet, wandere ich nach Friedrichshafen und besuche das dortige Zeppelinmuseum.

Ich bin doch überrascht über das schlichte aber sehr stylische Design (naja, wenn ein Flug nach Brasilien ein halbes Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners ausmacht, kann man das auch erwarten).

Ich Spazier am Bodensee entlang und ärgere mich etwas darüber keine Badehose mitgenommen zu haben und kurz ins Wasser zu springen.

Den Abschluss meines Tagesausflugs stellt dann die Schlosskirche mit den beeindruckenden Stuckarbeiten dar. Da ich mittlerweile auch so wieder über 30km auf dem Tacho hab, fahr ich mit der Bahn zurück und freu mich über die Dusche und einen entspannten Abend.

16.08.2023: Tag 54 – Von Bad Waldsee nach Ravensburg (24,3km)

Die Sonne zeigt sich wieder von ihrer kraftvollen Seite, als ich Bad Waldsee verlasse und mich buchstäblich am Vormittag durch die Büsche schlage (vielleicht pack ich nächstes Mal doch eine Machete ein).

Es ist heute bei den Temperaturen echt wieder anstrengend zu wandern und ich bin froh, als ich Weingarten erreiche, dort Kraft tanken und mir die schöne Basilika (wie viele dieser Kirche hat Baden-Württemberg Bitteschön?) anschauen kann.

Gott sei Dank geht das letzte Stück nach Ravensburg größtenteils durch den Wald, trotzdem bin ich wieder k.o. als ich im Hotel ankomme und endlich duschen kann.

Keine Müdigkeit vorschützend erkunde ich so gut es geht Ravensburg, das Museum über den berühmten Spielzeughersteller hat leider schon zu, aber es gibt trotzdem eine Menge zu sehen.

Nach dem Abendessen wage ich mich noch an den Aufstieg zu Burg (heißt ja immerhin RavensBURG) und obwohl die Sonne langsam untergeht, bin ich wieder durchgeschwitzt (und außer Puste) als ich oben ankomme. Aber der Ausblick ist es wert.

15.08.2023: Tag 53 – Von Muttensweiler nach Bad Waldsee (24,8km)

Es ist bedeckt und unglaublich schwül, als ich mich auf den Weg mache. Kurz hinter Muttensweiler liegt Steinhausen und auch das überrascht mich wieder mit einer schön gestalteten Kirche.

Heute fällt mir das wandern irgendwie schwer und schnaufend stapf ich durch den Wald, während ab und zu ein paar Regentropfen runterkommen.

Meine Mittagspause mache ich Oberessendorf und kämpfe mich über einen von Forstfahrzeugen verunstalteten Waldweg nach Bad Waldsee.

Um zur Altstadt von Bad Waldsee zu kommen, geht es um einen See und ich fühl mich deswegen gleich an zu Hause erinnert.

Die Altstadt erreiche ich gegen vierzehn Uhr, gönn mir ein Eis und hole mir in der Kirche meinen heutigen Stempel ab, bevor ich weiter die Straßen unsicher mache.

Nachdem ich alles wesentliche mir angeschaut hab, leg ich mir schnell meine Sachen im Hotel ab und gönne mir einen Nachmittag in der Therme.

Nachdem ich in der Sauna auch den letzten Schweißtropfen von mir gegeben hab, finde ich ein vietnamesisches Restaurant, um meinen Hunger zu stillen und dann anschließend den Abend mit dem Schreiben der letzten Postkarten ausklingen zu lassen.

14.08.2023: Tag 52 – Von Laupheim nach Muttensweiler (36,4km)

Es wird heute wieder ein heisser Tag und darum bin ich auch schon um sieben Uhr wieder auf dem Weg, um noch möglichst viel der Morgenkühle mitzunehmen.

Ich komm gut voran und Schemmerberg und Äpfingen liegen gegen zehn Uhr schon hinter mir. Aber es wird noch schneller warm als gestern und ich kann gar nicht so schnell gegen antrinken, wie ich das Wasser wieder ausschwitze

Mit einer leichten Dehydrierung, einer mittelgradigen Unterzuckerung (dabei hatte ich gut gefrühstückt) und stark strapazierten Nerven komme ich in Biberach an der Riß an und steuere den erstbesten Supermarkt an, um mich mit viel Wasser und meinem Mittagessen einzudecken. Nachdem ich eineinhalb Liter Wasser in mich geschüttet und zwei Brötchen nebst Snickers vertilgt hab, geht es mir endlich wieder besser.

Das Erkunden der Altstadt fällt heute eher klein aus, es ist einfach zu heiss und ich breche auf, um mehr Erholungspausen auf dem Rest des Weges einlegen zu können.

Sagte ich schon, dass es heiss ist? Ja? Auch, dass auf den letzten zehn Kilometern so gut wie kein schattenspendender Baum stand? Ich bin froh, als ich den Gasthof erreiche und kalt duschen kann. Das ist nicht mein Wetter.

Ich mache heute eine Bilanz des Restweges und stelle fest, dass ich zwar noch fünf Wandertage, aber nicht mal mehr 100 Kilometer bis Konstanz habe und wähle für morgen eine kleine Etappe. Es geht für dieses Jahr langsam zu Ende.

13.08.2023: Tag 51 – Von Ulm nach Laupheim (32,1km)

Dank der netten Herren vor dem Hotel, die noch bis ein Uhr morgens laut waren, hab ich nur mäßig geschlafen. Dafür ist das Frühstück mit orientalischen Einschlag aber sehr gut und ich mach mich auf den Weg.

Hinter Ulm, mitten im Nirgendwo finde ich doch tatsächlich ein altes Münztelefon, jedoch abgeschlossen. Das letzte mal, als ich so eins bedient hab, war ich in der Grundschule.

Nachdem es anfangs noch diesig war, kommt nun schnell die Sonne raus, die Temperaturen steigen sprunghaft und das T-Shirt klebt am Körper.

In Erbach finde ich einen Pilgerbrunnen, wo ich meine Wasserflaschen auffüllen kann und finde zudem dort auch wieder eine äußerst schöne Kirche neben dem Schloss (leider wieder im Privatbesitz).

In Oberdischingen mache ich im Schatten der hiesigen Kirche eine ausgedehnte Mittagspause, es ist gerade echt drückend heiss und eine Abkühlung wär nicht schlecht..

Ich mach mich zu meinem letzten Abschnitt bereit, der parallel zur Landstraße nach Laupheim führt. Ich hab noch ungefähr sechs Kilometer, als sich der Himmel bedrohlich zuzieht und natürlich weit und breit keine Möglichkeit zum unterstellen.

Das Universum scheint meinen Wunsch nach Abkühlung falsch verstanden zu haben (ich meinte ein Eis!), denn ich kann gar nicht so schnell das Regencape rausholen, wie der Starkregen einsetzt und mir ein zweites Mal triefende Socken beschert.

Das Unwetter zieht Gott sei Dank schnell vorüber und dann seh ich es leider: die große lange Pfütze auf der Landstraße neben mir, das schnell herannahende Auto…. und die Tsunami-Welle, die mich voll erwischt. Na vielen Dank auch!

Trotzdem laufe ich bei Sonnenschein im Hotel ein, wo statt einer Rezeption ein Automat auf mich wartet, der mir Geld abknöpft und eine Schlüsselkarte ausspuckt. Nicht gerade der herzlichste Empfang, dafür ist das Zimmer aber schön.

Nach dem Duschen begebe ich mich ins Zentrum von Laupheim fürs das Abendessen und den abschließenden Eisbecher, den ich mir den ganzen Tag gewünscht hab. Mit frischer Energie schau ich mir noch das schöne Laupheim an, bevor der nächste Schauer mich dann doch wieder zurück zum Hotel treibt.

12.08.2023: Tag 50 – Von Niederstotzingen nach Ulm (36,6km)

Mit frischer Energie mache ich mich nach dem Frühstück wieder auf dem Weg. Ich laufe lange über Feldwege, während langsam die Temperaturen steigen.

Die Landwirte scheinen auf die warmen und trockenen Tage gewartet zu haben, auf jeden zweiten Feld seh ich eine Erntemaschine und muss aufpassen, dass ich nicht von einem unter die Räder komme.

Gegen Mittag komme ich durch Albeck, der Heimatstadt von Robert Bosch. Der Weg geht nun erst mal ziemlich steil bergauf und das bei fast dreißig Grad. Die drei Liter Wasser sind schneller verbraucht als mir lieb ist, aber eine ältere Dame, die ich in Thalfingen anspreche, füllt meinen Wasserspeicher auf und so kann ich die letzten Kilometer nach Ulm in Angriff nehmen.

Es geht an der Donau entlang, die gar nicht so blau ist (und Krokodile schwimmen da auch nicht drauf!!!), und auf die letzten Kilometer ziehe ich noch mal das Tempo an. Und dann bin ich in Ulm (und um Ulm und um Ulm herum).

Ich besteige den Berblingerturm (zu Gedenken eines Schneiders, der bei einem Flugversuch mit seinen Gleitet hier in die Donau stürzte), bevor ich mir im Ulmer Münster meinen Stempel abhole.

Danach geht es auf direktem Weg zum Hotel, ich will endlich den Schweiß und Schmutz des Tages loswerden.

Es bleibt noch etwas Zeit mir Ulm anzuschauen, bevor der Hunger übermächtig wird und ich mir einen Klassiker der schwäbischen Küche gönne: Zwiebelrostbraten.

11.08.2023: Tag 49 – Von Neresheim nach Niederstotzingen (32,2km)

Nach dem Frühstück überreicht mir die Wirtin meine frisch gewaschene Wäsche, worüber ich mich wahnsinnig freue. Erst jetzt erfahre ich, dass ich ganz schön Glück mit dem Gasthof gehabt hab, denn ab morgen ist die Wirtin im Urlaub.

Heute geht es viel über Feldwege und das Wetter zeigt sich wieder von der besten Seite. Ich komme an Alpakas vorbei, die ich mit Äpfeln frisch vom Baum füttere, und stratze bis Staufen weiter, wo ich eine Pause mache und die Stille genieße.

Gegen Mittag komme ich nach Giengen an der Brenz, dem Geburtsort von Margarethe Steiff (kaum zu ignorieren bei der Vielzahl an Bären in der Einkaufsstraße).

Natürlich ist ein Besuch im Steiff-Museum Pflicht, wobei hier der Fokus doch sehr auf der Ausstellung von Kuscheltieren liegt. Nach gefühlten 2.000 Fotos, der Flucht vor einem Braunbär und dem Freundschaft schließen mit einem Eisbären, wird es aber Zeit für ein Mittagessen.

Und dann heißt es auch schon weiterziehen, denn ich hab noch ein gutes Stück vor mir. Es geht vorbei an Erntemaschinen und Getreidefeldern. Schatten suche ich lange Zeit vergebens und so rinnt der Schweiß heute wieder in Strömen. Gott sei Dank hab ich in Giengen noch meine Wasserflaschen aufgefüllt.

Müde und erschöpft komme ich in Niederstrotzingen an und zur Abwechslung gibt es heute eine kalte, anstatt einer heissen Dusche. Nachdem ich feststellen musste, dass der Gasthof meine einzige Option heute für ein Abendessen ist, gönn ich mir noch mal Käsespätzle. und Zack ist der Tag auch schon wieder rum.

10.08.2023: Tag 48 – Von Nördlingen nach Neresheim (24,1km)

Mit einem guten Frühstück und guter Laune im Bauch geht es wieder auf die Straße. Der Weg führt schnell aus der Stadt raus und auf die Feldwege raus. Heute ist Kaiserwetter, was ich total genieße.

An einem Denkmal für eine Schlacht bei Nördlingen im 17. Jahrhundert genieße ich den Albuch bevor mich der Weg durch ein Wildgehege führt. Schade nur, dass ich kein einziges Tier sehe, dafür aber ein Gemeindeschild, das mich sehr zum schmunzeln bringt.

Nach der Mittagspause führt das letzte Stück wieder über Feldwege und mittlerweile bin ich ziemlich durchgeschwitzt, als ich die Abtei von Neresheim erreiche.

Ich war ja schon von der Kirche des Klosters in Schöntal begeistert, aber die Fresken der Kirche verschlagen mir doch etwas die Sprache.

Im Klosterladen treffe ich einen der Benediktinermönche, der auch die Rolle des Bruder Tuck in Robin Hood hätte übernehmen können und kurz darauf taucht auch Rainer von gestern auf. Wir erfahren einiges über die Abtei und warum der Mann Mönch geworden ist, stillen unseren Durst und brechen auf zur Unterkunft. Leider liegt der Gasthof von Rainer etwas außerhalb und so treffen sich auch bald wieder unsere Wege.

Ich überbrücke die Zeit, bis ich in der Gasthof kann, mit einem Eis und bin wenige später von dem schönen Zimmer angetan und noch mehr darüber, dass mir die Wirtin anbietet meine Wäsche zu waschen und zu trocken.

Nach dem Einkauf und dem Abendessen im Gasthof buche ich die Unterkunft für morgen und pack die Beine hoch.

09.08.2023: Tag 47 – Von Oettingen in Bayern nach Nördlingen (23,8km)

Ich hab schlecht geschlafen auf der durchgelegenen Matratze und breche erst um neun Uhr auf, da heute eine verhältnismäßig kurze Strecke auf mich wartet.

Es erwartet mich leider wieder Regen, der mich bis zum Dorf Maihingen begleitet, wo ich einen Unterstand finde und die steifen Beine etwas ausruhen kann.

Nachdem der Regen aufgehört hat, schreite ich weiter meinen Weg, der auch als Romantische Straße ausgewiesen ist. Liebes Bayern, wenn das eine romantische Straße sein soll, dann betoniert die doch nicht!

In Wallerstein mache ich in einer Konditorei halt und gönn mir statt eines Mittagessens eine doppelte Portion Kuchen. Neben mir sitzt ein älteres Päarchen, wo sie eine Handarbeit macht, die sich als Occhi (Schiffchenarbeit herausstellt). Sie ist Amerikanerin und ist der Liebe wegen vor mehreren Jahren nach Nördlingen gezogen. Wir kommen über meinen Pilgerweg ins Gespräch und und ihr Mann erzählt, dass er schon über 2.000 IVV-Wanderungen (Internationaler Volkssportverband) absolviert hat. Die beiden herzlichen Dreiundachtzigjährigen verabschieden sich dann aber und ich setze meinen Weg fort.

Die letzten Kilometer bis Nördlingen sind schnell hinter mich gebracht und ich durchschreite eins der Tore der Stadtmauer, laufe durch die schöne Altstadt und komme bei der Kirche St. Georg an.

Hier erwartet mich eine Überraschung: es spricht mich ein netter Herr an, der sich als der Pilger Rainer vorstellt und wie ich von Nürnberg nach Konstanz will. Wir unterhalten uns über die Erfahrungen mit den Unterkünften und das heutige Wetter. Es trennen sich unsere Wege und leider verbasel ich es total mich mit ihm zum gemeinsamen wandern zu verabreden. Ich hoffe ich treffe ihn morgen auf dem Weg.

Mit einem neuen Stempel im Pass, mache ich mich schnell auf dem Weg zum Hotel, lege meinen Rucksack ab und begebe mich wieder zur Kirche, um den Kirchturm Daniel zu besteigen.

Leicht aus der Puste komme ich oben an und genieße die schöne Aussicht. Hier sehe ich auch, dass die Stadtmauer noch komplett erhalten ist und steuere, als ich wieder unten bin, den direkten Weg zu einem Aufstieg zur Stadtmauer.

Nachdem ich diese einmal komplett umrundet habe, wird es endlich Zeit für eine heisse Dusche und ein Abendessen.