15.04.2026: Tag 89 – Von Piacenza nach Fiorenzuola d‘Arda (30,1km)

Beim Frühstück im Hotel treffen wir wieder auf Robert, der noch überlegt, was heute sein Ziel ist. Wir brechen unterdessen gegen halb acht auf und müssen wieder durch ein unschönes Gewerbegebiet.

Bis Pontenure, wo wir ein kleines zweites Frühstück in einer Bar einnehmen, müssen wir größtenteils wieder an einer stark befahrenen Straße entlang gehen.

Ab dann bessert sich aber der Weg und wir wandern entlang von Getreidefeldern. Langsam kommt auch die Sonne durch und wir kommen gut voran, so dass wir gegen 12 Uhr schon 20km hinter uns gebracht haben.

Bei einer kleinen Siedlung namens Zappellazzo di Sotto biegen wir in einen Feldweg, bei dem uns wenig später ein aggressiver Wachhund entgegenkommt, den Christian mit seinem Wanderstock im Schach hält. Der Einsatz bringt aber nicht viel, denn die Furt, die wir überqueren sollen, ist durch den Regen der letzten Tage zu einem richtigen Fluss angestiegen. Hier kommen wir nicht weiter.

Die Konsultation der Karte sagt uns, dass wir einen großen Umweg laufen müssten und zudem noch eine weitere Furt überqueren müssten. Und so entscheiden wir uns nach Roveleto zu wandern und eine Station mit dem Zug nach Fiorenzuola d‘Arda zu fahren.

Wir erreichen gegen halb drei unsere Ferienwohnung, können duschen, uns erholen und die Unterkünfte für die nächsten zwei Tage buchen. Auch diesmal müssen wir feststellen, dass die Unterkünftige aus unserem Verzeichnis nicht mehr existieren.

In der nahe gelegenen Kirche erhalten wir erst nach einigen Nachfragen unseren Stempel und kaufen für das Abendessen und morgen ein.

Zu Hause angekommen, machen wir uns an das kochen und freuen uns darüber, dass es heute was mit Reis gibt.

14.04.2026: Tag 88 – Von Orio Litta nach Piacenza (22,3km)

Wir treffen beim Frühstück noch kurz Aurélien (doch ein Franzose und kein Italiener) und Benoît, der gestern spät angekommen war, und machen uns dann auf dem Weg zum Fähranleger.

Wir werfen noch schnell eine Blick auf das Schloss von Orio Litta, bevor wir die vier Kilometer auf dem Deich zum Po entlang wandern.

Wir kommen sehr pünktlich an Anleger an, wo Aurélien wie der Igel schon auf uns wartet. Der muss wohl ne Abkürzung genommen haben.

Wir warten noch etwas, bis der Schweizer Pilger Robert sich zu uns gesellt und dann bringt uns der nette Fährmann Danilo über den Po, während ein Nieselregen einsetzt, der uns den Rest der Wanderung begleiten soll.

Danilo wohnt in einem ehemaligen Pilgerhospital, trägt uns da in sein Verzeichnis ein. Mit einem Stempel im Pass geht es dann weiter entlang an Landstraßen.

Wir kommen an eine Brücke, die uns auf die andere Seite des Flusses Trebbia führt, wo Piacenza liegt. Leider handelt es sich hier um eine Schnellstraße, der wir sehr lange durch ein Gewerbegebiet folgen müssen.

Entnervt, etwas durchgefroren und erschöpft kommen wir in unserem Hotel an, dass seine besten Tage bereits hinter sich hat. Aber es erfüllt seinen Zweck und frisch geduscht und mit verarzteten Füßen (bei Jan haben sich bei den beiden kleinen Zehen wie üblich eine Blase gebildet), machen wir uns auf, Piacenza zu erkunden.

Im schönen Dom erhalten wir unseren zweiten Stempel für heute und schauen uns noch die Basilica San Antonio an, ehe wir in einem Imbiss ein schlechtes Abendessen verspeisen.

Den Rest des Abends verbringen wir dann mit faulenzen auf dem Hotelbett.

13.04.20.26: Tag 87 – Von Belgioioso nach Orio Litta (28,3km)

Wir verlassen gegen halb neun Belgioioso bei leichtem Nieselregen. Der Weg führt erstmal wieder entlang der Landstraße und wir stellen fest, dass die Fahrradwegplanung der Italiener durchaus mit der der Deutschen mithalten kann.

Es geht an einer Kiesgrube vorbei und langsam lässt der Regen nach, was dann doch die Stimmung hebt.

In Santa Christina machen wir eine kurze Pause für eine Cola und uns schnell die dortige Kirche anzusehen, bevor es dann weiter geht.

Direkt hinter dem Ort führt der Weg uns durch hohes Gras, was uns neben einem neuen Look unserer Schuhe auch gleich noch nasse Socken beschert. So ist es dann jetzt.

Im Ort Chignolo Po kommen wir gegen 14 Uhr an. Hier legt Jan sich fast auf die Nase, als er eine Kette übersteigen will, um die dortige Burg zu fotografieren. Um den Schreck zu verdauen, gönnen wir uns in einer etwas trotslos wirkenden Bar ein Panini, bevor wir die letzte Etappe für heute antreten.

Das Glück ist uns so mäßig hold und den Rest des Weges werden wir von Regen begleitet, der erst aufhört, als wir unser Ziel Orio Litta erreichen. Kurz vor vier sind wir bei der Herberge angekommen, wo die Herbergsmutter Graziella uns alles zeigt und wir dann endlich eine warme Dusche bekommen. Das Highlight ist, dass wir zu den Duschen mit einem Fahrstuhl in den Keller fahren. Hier treffen wir auch unsere ersten anderen Pilgern, einen Italiener und einen Franzosen.

Da die Herberge über eine Küche verfügt, kaufen wir beim nächsten Supermarkt ein und machen uns Nudeln mit Pesto und Salat. Selten hat ein so einfaches Essen so glücklich gemacht.

12.04.2026: Tag 86 – Von Pavia nach Belgioioso (18,3km)

Wir haben die letzte Nacht wie Steine geschlafen und machen uns um 8 Uhr auf den Weg. Es geht erst zum Dom von Pavia, wo wir einen Stempel erhalten.

Wir gehen weiter runter zur Ponte Coperta, wo wir in einer nahe gelegenen Bar für wenig Geld Croissants und Kaffee zum Frühstück erhalten, bevor wir unsere Reise fortsetzen.

Der Weg ist heute spektakulär unspektakulär. Es geht über weite Strecken an der Landstraße und Ackerflächen entlang, was wenig fürs Auge bietet. Aber dafür sind die Temperaturen angenehm und so wandern wir, abgesehen von einer kurzen Essenspause in San Leonardo, durch nach Belgioioso.

Wir laufen in Belgioioso an einem Hotel vorbei, wo wir nach einem Zimmer nachfragen. Als Rückantwort erhalten wir, dass hier zwar alles ausgebucht ist, aber der etwas wortkarge Herr telefoniert etwas herum und tut noch ein Zimmer für uns auf, auch wenn es teuer ist.

Wir überbrücken die Wartezeit, bis das Zimmer frei ist, mit einem recht unzufrieden stellenden Mittagessen. Wir werden von dem Wirt kurz rumgefahren und können etwas ausspannen und unsere Sachen waschen.

Wir machen uns auf Belgioioso zu erkunden, wo gerade ein Volksfest ist (was die ausgebuchten Unterkünfte erklärt).

Mit einem neuen Stempel in unserem Pass verlassen wir die Kirche und steuern das nächste Café für ein Bier an. Die unverhofften Tapas kommen uns da genau richtig.

Wir essen noch im Restaurants unseres Hotel zu Abend und dann ist es auch schon bald Zeit fürs Bett.

11.04.2026: Tag 85 – Von Tromello nach Pavia (26,9km)

Es geht wieder weiter. Und diesmal zu zweit. Wir sind gestern Abend ohne große Probleme aber erschöpft im Mailänder Hotel angekommen und machen uns morgens nach dem Frühstück auf den Dom zu besichtigen.

Nachdem wir endlich eine Möglichkeit gefunden haben die Rucksäcke abzugeben, kommen wir auch rein und bekommen nach einigem Herumirren auch Stempel in unseren Pilgerpass.

Wir schlagen uns mit der Metro durch zum Hauptbahnhof. Hier hilft uns ein netter Mann beim Kartenkauf weiter. Wegen eines dringenden Toilettengangs sehen wir unseren Zug (der sich später als der falsche herausstellt, den richtigen hätten wir noch ohne Probleme bekommen) gerade noch aus dem Bahnhof rausfahren.

Nach der erzwungenen Pause erreichen wir dann um 14:00 Uhr Tromello und starten nun wirklich unsere Pilgerreise.

Es geht viel über Feldwege und wir müssen uns beide erst an das Gewicht der Rucksacks gewöhnen. Andere Pilger haben wir noch nicht getroffen, als wir gegen halb vier den Ort Garlasco erreichen.

In der schönen Kirche gegenüber des Marktplatzes wünschen uns die dort arbeitenden Putzfrauen einen guten Weg und geben uns noch einen Hinweis auf einen nahe gelegenen Supermarkt, wo wir uns eine Cola ersteigen, bevor wir den Weg fortsetzen.

Hinter Garlasco verteidigt ein Welpe sehr lautstark sein Revier. Sein Mut hält sich allerdings in Grenzen, als wir die ihm näher kommen.

Es geht weiter einen Kanal entlang und gegen 17:00 Uhr erreichen wir unser Ziel Gropello Cairoli. Einen Stempel kriegen wir hier zwar sehr schnell, aber dafür müssen wir feststellen, dass alle Pilgerunterkünfte nicht mehr existieren. Unsere letzte Option, ein Motel, teilt uns mit, dass sie vollständig ausgebucht sind.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, schnell ein Hotel in Pavia zu buchen und mit den Zug reinzufahren. Ziemlich platt erreichen wir dann gegen halb sieben Pavia.

Es ist 20:00 Uhr als wir beide im Hotel geduscht haben und uns auf die Suche nach etwas zu Essen machen. Wir sind uns beide einig, nachdem der Schrittzähler heute mehr als 26km zeigt und wir eigentlich nur 13 km wandern wollten, morgen von Pavia aus starten werden.

07.09.2024: Tag 84 – Von Motara nach Tromello (20,4km)

Letzter Tag. Ich mache mich gegen 7 Uhr auf dem Weg und sehe die Sonne am diesigen Himmel aufgehen. Kurz hinter Motara empfängt mich wieder ein Flusskrebs mit offenen Armen…. okay, er ist eher im Angriffsmodus und ich ziehe weiter.

Es ist heute mal ein angenehmer Sandpfad, wofür ich bei den mittlerweile durchgelatschten Schuhe dankbar bin und mit fortschreiten des Tages klart es auch immer mehr auf.

Pünktlich mit dem Glockenschlag erreiche ich um 12 Uhr die Kirche im Tromello und beende damit meine diesjährige Pilgerreise. In einer Bar bekomme ich neben meinen letzten Stempel auch noch eine kleine Pilgerbescheinigung. So ausgestattet setze ich mich in den Zug nach Mailand.

Im Hotel angekommen dusche ich und ruhe mich kurz aus, bevor ich mir noch ein wenig die Stadt anschaue.

Der Mailänder Dom bleibt mir auch dieses Mal verwehrt, da alle Tickets für heute ausverkauft sind und so schlendere ich noch weiter durch die Stadt zum Castello bevor ich den Heimweg antrete und mir was zum Abendessen suche.

06.09.2024: Tag 83 – Von Robbio nach Motara (16,0km)

Vorletzter Tag und ich fahre morgens mit den Bus zurück nach Robbio, schaue mir die dortige Kirche noch an, die gestern verschlossen war, erhalte dank eines engagierten Italieners einen Stempel von der Polizei für meinem Pilgerpass und dann geht es auch schon los.

Heute liegt nur eine kurze Strecke vor mir. Es ist zwar diesig, aber trocken und zu Halbzeit mache ich eine Pause in Nicorvo, wo die Barbesitzerin ein Foto für Ihren Facebookaccount macht (sie sammelt Pilger).

Mitten auf der Straße seh ich einen Flusskrebs, was auch immer der da macht. es geht weiter über Wiesen, entlang an, richtig erraten, Reisfeldern.

Pünktlich um 12 Uhr bin ich zurück in Motara, dusche, wasche ein letztes Mal meine Wäsche und gönne mir eine längere Auszeit. Gegen Nachmittag breche ich dann auf die Stadt zu erkunden, aber so groß ist die nicht und nach ner Stunde bin ich schon wieder zurück.

Das Abendessen nehm ich im Restaurant um die Ecke ein und dann heißt es sich auf den letzten Wandertag vorbereiten.

05.09.2024: Tag 82 – Von Vercelli nach Robbio (18,9km)

Der Wetterbericht sagt heute durchgehend Regen an. Ich erwische zumindest ein Zeitfenster, um mein Frühstück in einer Bar einzunehmen und mich danach auf dem Weg zu machen.

Und auch heute geht es wieder durch Reisfelder und ich fürchte, das wird bis zum Ende der diesjährigen Reise so bleiben. Kurze Zeit später regnet es dann doch, wobei es Gott sei Dank moderat bleibt.

Trotzdem komme ich nass und etwas durchgefroren in Palestro an, wo ich mich in einer Bar etwas aufwärme und mir einen Kaffee gönne, bevor ich die zweite Hälfte für heute antrete.

Und die ist echt ärgerlich, denn ich muss einen langen Abschnitt entlang an einem Reisfeld laufen, der komplett zugewachsen und überhaupt nicht gepflegt ist. Das hat zur Folge, dass am Ende des Abschnitts meine Schuhe ein neues Muster haben und meine Socken endgültig patschnass sind.

Aber man muss es so hinnehmen, wie es ist und ich erreiche gegen 13 Uhr schon Robbio und finde, wie schon bei der gestrigen Recherche bereits befürchtet, keine Unterkunft. Und so buche ich in Motara, meinem Ziel für Morgen eine Unterkunft für zwei Nächte und fahre mit dem Bus nach Motara (und morgen dann wieder zurück).

Endlich im Zimmer angekommen kann ich endlich warm duschen, die Füße trocken legen und verarzten und dann mache ich, bis auf den Einkauf von Abendbrot und Frühstück für morgen das, was andere Menschen in ihrem Urlaub machen: ich lieg faul auf dem Bett und lasse die Seele baumeln. Hat auch was.

04.09.2024: Tag 81 – Von Santhià nach Vercelli (26,1km)

Nachdem ich den gestrigen Tag ausgesetzt habe, um mich zu erholen und den Zug nach Santhià genommen habe, ging es heute von dort aus weiter. Nach Ende des Regens breche ich auf, merke aber, dass mein Körper noch nicht richtig wieder fit ist, denn das Anschnallen des Beckengurts führt alsbald zu Übelkeit.

Es geht heute den ganzen Tag nur durch Reisfelder und an einer Brücke halte ich an, damit der Magen sich wieder etwas beruhigt, wo mich der Pilger Michael, gebürtig aus Berlin, aber seit Jahrzehnten in der Schweiz lebend einholt.

Wir machen in dem Ort San Germano Vercellese Pause, trinken etwas und danach geht es gemeinsam weiter. Der Bauch hat sich zunehmend wieder beruhigt.

Auf dem Weg nach Vercelli erzählt der rüstige 78-jährige von seiner Zeit als Flugzeugmechaniker und Pilot in der Landwirtschaft, wo er im Sudan, Pakistan und vielen anderen Stationen gearbeitet hat und lenkt mich so weiter von meinem Bauch ab.

Wir begegnen neben hunderten von Fröschen auch zwei Schlangen und mehreren Ibissen. Die Strecke zieht sich etwas bei der Eintönigkeit der Landschaft und dann führen uns meine GPS-Daten etwas in die Irre.

Wir finden letzten Endes doch noch den Weg nach Vercelli und gegen halb fünf wünschen wir uns gegenseitig einen guten Weg und ziehen jeweils in Richtung unserer Unterkunft.

Bei meinem B&B werde ich vom freundlichen Sergio im Empfang genommen, der mir gleich anbietet Waschmaschine und Trockner zu nutzen. Das Angebot nehme ich sehr gern an, bevor ich mich aufmache neue Socken zu kaufen, da auch die neuen Socken, die Christian mir mitgebracht hat, große Löcher aufweisen.

Ich schlendere im Anschluss noch durch die Altstadt, die mehrere große Kathedralen aufweist, die aber alle schon geschlossen sind und so genehmige ich mir noch ein Abendessen in einer Pizzeria, bevor ich den Heimweg antrete.

02.09.2024: Tag 80 – Von Hône nach Ivrea (15,6km)

Heute ist kein guter Tag. Übermüdet wache ich auf und packe meine Sachen, um Hône zu verlassen. Das Frühstüxk muss ich nachholen, da mein Brot verschimmelt ist. Es kurz durch Bard, als sich am Himmel langsam ein Gewitter anbahnt.

Und das Unterwetter kommt natürlich kurz bevor ich Pont-Saint-Martin erreiche, wo ich in einer Baar zwei Croissant ersteigere. Ich war in der Nacht schon wegen Sodbrennen einmal aufgewacht und diese Croissants geben mir den Rest, denn mein Magen fängt ziemlich an zu rumoren.

Ich schaffe es noch bis Carema und dort auf eine Kundentoilette eines Supermarkts, wo mein Körper sich entscheidet mit der Entleerung meines Verdauungstraktes zu beginnen. Nach dem Komsum eines Kamillentees scheint das Schlimmste vorbei zu sein und so setze ich meinen Weg fort.

Es folgt ein sehr quälender Weg bis nach Settimo Vittone, wo ich dem Druck meines Körpers nachgehe und die letzten 12 km nach Ivrea mit dem Bus fahre.

Ich habe großes Glück, dass ich noch das Hotelzimmer erreiche, bis mein Körper mir sehr eindrucksvoll zeigt, wozu er fähig ist. Ich bin fix und fertig und jede größere Anstrengung führt zu einem Besuch auf der Toilette. Erst am Abend kehrt Ruhe ein. Noch sehe ich nicht, dass ich morgen zu Fuß nach Santhia wandere, aber warten wir morgen mal ab.