29.07.2023: Tag 36 – Von Bad Friedrichshall nach Mockmühl (27,2km)

Nach dem Frühstück bezahle ich’s noch meine Übernachtung und erfahre hierbei, dass die Besitzerin in Mannheim aufgewachsen ist, lange Zeit mit ihrer Famile in Bad Oldesloe gewohnt hat und nun seit fünf Jahren nun in Friedrichshall wohnt. Gott sei Dank hatte ich schon einen Kaffee sonst wären mir das definitiv zu viele Informationen am frühen Morgen gewesen.

Der Regen hat aufgehört als ich starte und ich lauf vorbei an Feldern, an denen Bohnen, Kohl und Gerste auf die Ernte warten. Die gestern im Supermarkt gekaufte Stützbandage für das Knie scheint zu funktionieren, denn das Knie bleibt den ganzen Tag ruhig.

Gegen Mittag erreiche ich die Stadt Neudenau, die einen zwar kleinen aber schönen Altstadtkern hat. Und passend zu Mittagspause kommt doch tatsächlich die Sonne raus.

Der Weg führt weiter an dem Fluss Jagst entlang und heute fühlt sich das Wandern endlich wieder leicht an (schon beachtlich, was schmerzfreies gehen und Sonnenschein bewirken können).

Nach einer zweiten Pause sind die letzten Kilometer schnell abgewandert und ich erreiche gegen halb vier meine Unterkunft im sehr schönen Mockmühl. Leider hat die Touristeninformation schon zu und auch in der Kirche finde ich keinen Stempel. Naja, gibt schlimmeres.

Nachdem für morgen alles organisiert ist, zieh ich noch mal los, um mir die Stadt anzuschauen.

Tapfer kraxle ich noch den Berg zur Burg hoch, nur um festzustellen, dass diese in Privatbesitz ist und ich nicht weiter als bis zum Tor komme. Etwas betrübt geht es zurück zur Unterkunft.

Als mich wenig später die Dame für die Herberge Wegenetz Rechnung per WhatsApp kontaktiert (die Herberge funktioniert ohne Personal), frage ich nach, ob sie noch eine Möglichkeit weiß einen Stempel zu bekommen. Eine halbe Stunde später kommt der Chef vorbei mit Stempel und einer kleinen Flasche Rotwein als Geschenk… manchmal muss man nur lieb fragen. Prost!

28.07.2023: Tag 35 – Von Sinsheim nach Bad Friedrichshall (29,7km)

Nachdem der Regen nachgelassen hat, mach ich mich wieder auf den Weg. Es ist etwas frisch und der Weg geht vorbei an abgemähten Getreidefeldern.

In Grombach finde ich endlich eine geschützte Ecke, um zu rasten und meine Banane zu essen. Der Regen ist eigentlich gar nicht so schlimm, dafür aber die Tatsache, dass man sich kaum irgendwo hinsetzen kann.

Zu Abwechslung geht der Weg endlich mal in den Wald, der mich vor den gelegentlichen Nieselregen schützt.

Gegen Mittag erreiche ich den Kurort Bad Rappenau. Der Soleabbau wurde und wird in den Luftkurort integriert. So komme ich an einen Gardierwerk vorbei an den Sole über Reisigzweige tropft und eine salzige Luft schafft.

Gegen 15 Uhr erreiche ich dann das sehr schöne Bad Wimpfen, mit seinen vielen Fachwerkhäusern und einer Stadtkirche mit auffallenden Deckengewölbe.

In meinem Zielort Bad Friedrichshall muss ich feststellen, dass mein Hotel etwas abseits vom Weg liegt und so gewinne ich noch zwei unfreiwillige Kilometer, bevor ich den Rucksack ablegen und meiner gewohnten Routine folgen kann. Ich bin zu müde um noch ein großartiges Sightseeing zu betreiben und gehe stattdessen zeitig ins Bett.

27.07.2023: Tag 34 – Von St. Leon-Rot nach Sinsheim (26,1km)

Nach dem Frühstück fährt mich Nik noch mal ein letztes Mal zum Startpunkt. Während er sein Handicap auf dem Golfplatz verbessert, mache ich mich auf den Weg.

Kurze Zeit später setzt der Regen ein und damit wird das Cape heute durchgehend mein Begleiter. Immer häufiger sehe ich nun, dass der Weg als Jakobsweg ausgewiesen ist. Und in einer kleinen Kapelle auf dem Letzenberg bekomme ich sogar einen Stempel.

Es geht an Weinreben vorbei wieder bergab durch Malsch und Mühlhausen nach Angelbachtal, wo ich nur kurze Rast auf einer Bank machen kann bevor ein starker Regen einsetzt. Und so verschiebe ich das Mittagessen, laufe an den Skulpturen im Schlosspark vorbei und nehme die letzten neun Kilometer für heute in Angriff.

Durchgeweicht und hungrig komme ich gegen halb vier in Sinsheim an und hole mir auf dem Weg zum Hotel noch einen zweiten Stempel bei der Touristeninformation.

Nach einer heissen Dusche, was zu Essen im Bauch und einer Stunde ruhen bin ich wieder soweit hergestellt, dass ich wieder was unternehmen kann. Und so gönne ich mir nach dem Abendessen einen seeeeeehr teuren Besuch in der hiesigen Therme zum Tagesausklang.

26.07.2023: Tag 33 – Von Limburgerhof nach St. Leon-Rot (32,1km)

Nach dem Frühstück fährt mich Nik freundlicherweise wieder zu meinen Startpunkt in Limburgerhof. Der morgendliche Regen lässt schnell nach und so kann ich bald das Regencape für den Rest des Tages im Rucksack verstauen.

Parallel zu den Gleisen geht es Richtung Schifferstadt, ein Ort mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern.

Neben der Landstraße geht es dann auf direktem Weg nach Speyer, naja bis auf den kleinen Umweg dank einer Straßensperrung. Pünktlich um 12 Uhr komme ich am Dom von Speyer an und bekomme bei einer netten Dame mit ausgeprägten französischen Akzent heute wieder einen Stempel.

Im Anschluss an eine ausgedehnte Mittagspause geht der Weg über den Rhein und damit verlasse ich das Bundesland Rheinland-Pfalz. Hallo Baden-Württemberg!

Die Strecke zieht sich heute. Es geht fast nur gerade aus und meist parallel zu Landstraße. Altlußheim und Neulußheim bieten da auch nicht wirklich Abwechslung. Gegen 16:30 Uhr komme ich in St.Leon-Rot an und kriege auch hier einen Stempel (das Defizit von gestern ist damit ausgeglichen).

Nun geht es zum, nach Aussage von Nik, schönsten Golfplatz Deutschlands, wo Nik mich wieder abholt. Gott sei Dank, denn heute bin ich echt etwas im Eimer.

Zum Abendessen lassen wir uns was vom Thailänder liefern und lassen den Abend mit einem Brettspiel ausklingen. Ich bin schon etwas traurig, dass es der letzte gemeinsame Abend ist, aber die Distanz zwischen dem Weg und Mannheim ist einfach zu groß geworden.

25.07.2023: Tag 32 – Von Worms nach Limburgerhof (30,2km)

Nachdem Nik mich zuerst mit einem Strammen Max zum Frühstück beglückt, fährt er mich freundlicherweise auch noch nach Worms. Allein dafür wird er heute ins Nachtgebet eingeschlossen.

Der Regen hört pünktlich zum Antritt der heutigen Etappe auf (Danke liebes Universum) und ich starte durch einen Park bevor es am Deich entlang des Rheins geht.

Nach ein paar Kilometer kommt der Schmerz im Knie zurück, bleibt eine Weile und verschwindet dann auch wieder abrupt, weiß der Geier warum.

Mit erreichen dem Moloch BASF setzt dann doch der prognostizierte Regen ein und sorgt für durchgeweichte Füße und fehlend Möglichkeiten sich für eine Weile hinzusetzen, ich nehm es gelassen. Lohnt sich eh nicht sich drüber zu ärgern.

Hinter Oggersheim finde ich einen Unterstand (es hat zwischenzeitlich aufgehört zu regnen), ziehe die Schuhe aus, damit die Füße etwas trocknen können und mach für 10 Minuten die Augen zu. In der Zwischenzeit okkupiert ein schleimiger Hausbesitzer meinen Schuh (von wegen Schnecken sind langsam).

Das letzte Stück nach Limburgerhof ist erst geprägt von einem Park und dann einem langen Feldweg ohne Unterstellmöglichkeiten, wo ich mir zum Abschluss eine zweite Dusche abhole.

In Limburgerhof bleiben die Kirchtüren für mich verschlossen. Also gibt es zu Trost ein Eis zusammen mit Nik, der mich hier auch wieder abholt (Einschluss ins Abendgebet mit Sternchen!)

Am Abend treffe ich noch zwei andere Freunde, die ich über die Arbeit in Mannheim kennenlernt hab, zum Pizzaessen und Quatschen über Gott und die Welt. Müde und zufrieden falle ich in mein Nachtlager.

24.07.2023: Tag 31 – Von Oppenheim nach Worms (31,2km)

Kurz nach acht Uhr geht es wieder die Weinberge hoch. Ich bin hochmotiviert und hab ein entsprechend sportliches Tempo drauf. Das passt meinem Knie allerdings gar nicht und der Schmerz schiesst so abrupt ins Gelenk, dass ich kurz anhalten muss.

Aber aufgeben ist nicht und so gehe bzw. humple ich weiter, wenn auch bedeutend langsamer über den nicht enden wollenden Asphalt.

Gegen Mittag erreiche ich nach 15 km Mettenheim. Für die Strecke bräuchte ich grundsätzlich drei Stunden, heute sind es vier gewesen. Ich treffe daher die Entscheidung nicht mehr den verschlängelten Weg durch die Weinhänge fortzusetzen und stattdessen den direkten Weg im Tag zu bestreiten.

Ich wandere parallel zur Landstraße über Osthofen nach Worms. Ich hab Osthofen noch nicht mal erreicht, da sind die Schmerzen weg, nicht weniger, sondern weg! Ich nehm das als dezenten Hinweis vom Universum erreiche gut gelaunt Worms.

Der St. Peter Dom ist schnell gefunden und auch hier kriege ich wieder einen Stempel (es läuft). Nun geht es mit der Regionalbahn nach Mannheim, wo ich bei meinen Freunden Jens und Nik übernachten kann.

Die beiden laufen mit ihrer Gastfreundschaft mal wieder zu Höchstform auf und wir beschließen den Abend bei einem guten Abendessen im Biergarten

23.07.203: Tag 30 – Von Mainz nach Oppenheim (29,5km)

Nach dem Frühstück geht es erst bergab ans Wasser und dann ein Stück den Rhein entlang. Das rechte Knie hat mir den gestrigen Tag etwas übel genommen, beruhigt sich aber mit der Zeit.

Ich laufe lange um einen stillgelegten Steinbruch herum, bevor es weiter bergauf in die Weinhänge geht. Es ist heute bedeckt und es weht ein leichter Wind wofür ich seeeehr dankbar bin, denn irgendwas schattenspendendes suche ich heute vergebens.

Gegen halb eins erreiche ich Nackenheim, mache dort Mittagspause und stelle fest, dass ich auch diesmal mir Blasen gelaufen hab (diese verdammten zarten Beamtenhände! Die Füße haben übrigens nix!).

Es geht weiter durch schier endlose Weinberge. Nach Nierheim erwartet mich dann auf den letzten drei Kilometern eine so öde Landschaft, dass sie auch gut in einen Mad-Max-Film hätte vorkommen können.

Im Hotel (ein ehemaliges Amtsgericht) schmeiß ich meine Rucksack nur kurz in eine Ecke und laufe zu Katharinenkirche, wo ich noch einen Stempel für meinen Pass bekomme und die schönen Buntglasfenster bewundern kann, bevor die Kirche für heute schließt.

Nachdem dem Wäsche waschen schau ich mir noch die Altstadt von Oppenheim an, esse zu Abend und packe für den Rest des Abends die Beine hoch.

22.07.2023: Tag 29 – Von Bingen am Rhein nach Mainz (35,0km)

680 Tage später und mit neuen Schuhen ausgerüstet, geht es nun endlich weiter. Nach der gestrigen langen Sitzen bei der Anreise mit der Bahn (natürlich mit fast zwei Stunden Verspätung) schreien meine Beine fast nach Bewegung.

Es geht erstmal ein Stück am Rhein entlang, durch Auen, wo Rehe, Kaninchen und Störche meinen Weg kreuzen, sonst aber für mich allein bin.

Über Feldwege komme ich gegen halb elf in Ingelheim am Rhein an, ein Café für einen Kaffee suche ich hier leider vergebens. Nachdem ich mir die Kirchen, die auf dem Weg liegen, angeschaut habe, verlasse ich Ingelheim mache mache ich kurze Zeit später eine Rast auf einer Bank.

Der Rest des Weges bis Mainz ist so spektakulär unspektakulär, dass ich mir große Pausen schenke und um 16 Uhr durchgeschwitzt und erschöpft am Hotel in Mainz ankomme.

Nach der erlösenden Dusche begebe ich mich in die Innenstadt, um meinen ersten Stempel beim St.Martin Dom abzuholen und mir noch ein wenig die Stadt anzuschauen, die von sehr viel Altrosa geprägt ist.

St. Martin Dom

Das Abendessen nehm ich in einem afrikanischen Restaurant ein, bevor ich den Abend auf dem Volksfest ausklingen lasse, dass hier gerade stattfindet. Das war schon mal ein guter erster Tag. So kann es weiter gehen.

Mainzer Schloss

10.09.2021: Tag 28 – Von Trechtingshausen nach Bingen am Rhein (11,2km)

So. Letzter Tag. Beginn mit einem schlechten Frühstück und einem Kaffee, bei dem nicaraguanische Kaffeebauern das Weinen anfangen würden. Kurz vor neun steige ich in Trechtingshausen aus dem Zug kraxelndes letzte Mal den Berg rauf.

Und natürlich schaffe ich es noch am letzten Tag einmal schön lange in die falsche Richtung zu laufen. (Manche Dinge ändern sich nie)

Ich genieße noch mal den Ausblick auf Bingen, bevor ich dann den Abstieg antrete und mich auf zur St. Hildegardkirche mache, wo ich meine Pilgerreise für dieses Jahr beende.

An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an alle, die mich die ca. 800km auf diesem Blog und den sozialen Medien begleitet haben. Es hat mir sehr viel Freude bereitet zu sehen, wieviele Menschen an meiner Reise Anteil genommen haben und es hat mich zusätzlich motiviert den einen Fuß vor den anderen zu setzen (besonders, wenn diese nicht so wollten wie ich).

Für dieses Jahr ist nun Schluss, aber die Reise und dieser Blog werden an entsprechender Stelle fortgesetzt. Bis dahin alles Liebe und jedem einen guten Weg.

09.09.2021: Tag 27 – Von Bacharach nach Trechtingshausen (21,1km)

Die Sonnencremetube ist leer, als ich fertig eingecremt bin. Meine Reise neigt sich für dieses Jahr immer mehr dem Ende.

Als ich wieder oben auf dem Berg angekommen bin, merke ich, dass ich noch immer etwas angeschlagen bin. Aber heute ist ja schon eine kürzere Strecke und so beiße ich die Zähne zusammen.

Es geht wieder viel durch Weinberge und während ich in der Sonne schwitze, ploppen viele Kindheitserinnerungen in meinem Kopf auf, die sich aber auch schnell verflüchtigen.

In Niederheimbach, ein Ort in dem erschreckend viele dauerhaft geschlossenen Geschäfte sind, gönne ich mir noch ein Mittagessen am Rhein, bevor der Aufstieg des Tages beginnt.

Die erste Hälfte bis zum Aussichtspunkt liegt schnell hinter mir, dann wird aber der Weg steiler und ich frage mich ernsthaft, warum der nächste Abschnitt Rentnersteig heißt. (Was sollen das für Rentner sein? Ehemalige Hochleistungssportler?)

Ich stoße auf eine große Raupe, die ebenfalls nach oben will. Wahrscheinlich muss sich noch den Apfel, die zwei Birnen und die drei Orangen abarbeiten, bevor sie sich an die vier Pflaumen ran macht (denn satt ist sie immer noch nicht).

Endlich oben angekommen gönne ich mir eine Pause. Diese währt aber nicht lange , da mich das aufziehende Gewitter mit seinem lauten Donnern doch stark motiviert, seeeeehr zügig, aber auch trocken, den Abstieg nach Trechtingshausen in Angriff zu nehmen und mit dem Zug nach Bingen zu fahren.

Nach dem Bezug des Hotels und der Dusche schaue ich mir noch Bingen an, mache meinen Schlusspunkt für morgen aus und esse in einem kleinen Restaurant zu Abend.

Morgen geht es dann mit dem Zug zurück nach Trechtingshausen, um die letzte Etappe für dieses Jahr in Angriff zu nehmen.

Erkenntnis des Tages: Berab geht es doppelt so schnell runter, wenn man Angst hat von Blitz getroffen zu werden.