08.08.2023: Tag 46 – Von Gunzenhausen nach Oettingen in Bayern (32,7km)

Das Universum scheint wegen gestern ein schlechtes Gewissen zu haben, denn zum Frühstück gibt es fluffige Waffeln, die Sonne scheint und ich komme an sehr witzigen Ortsschildern vorbei.

Es geht heute größtenteils über Feldwege und bei mir macht sich heute ein intensives Gefühl von Zufriedenheit breit, auch wenn es lange bergauf nach Spielberg geht.

Hier schaue ich mir die Burg und die dort ausgestellten Skulpturen an und genieße bei der Pause die Ausblick.

Gegen Mittag finde ich im Wald eine Jakobusschutzhütte, ideal für die Mittagspause, bevor ich die letzten 15 Kilometer nach Oettingen antrete.

Gegen halb fünf erreiche ich bei besten Wetter das schöne Oettingen (wo auch das Bier herkommt) und marschiere zielgerichtet zur Jakobuskirche.

Ich bin sehr angetan von den detailreichen Stuckarbeiten in der Kirche, dagegen ist der heutige Stempel sehr schlicht gehalten.

Das Hotelzimmer ist sehr schlicht und bietet wegen dem Personalmangel kein Frühstück an. Also lauf ich noch mal schnell zum Supermarkt, um etwas fürs Frühstück zu kaufen, dusche schnell und mache mich auf zum Abendessen.

Bis auf den Italiener haben aber alle anderen Restaurants geschlossen und so gibt es heute ne Pizza zur Stärkung.

07.08.2023: Tag 45 – Von Haag nach Gunzenhausen (37,8km)

„Na da haben Sie sich ja nicht das beste Wetter zum Wandern ausgesucht!“ sagt der Hotelier, als ich bei ihm bezahle. Stimmt, aber ändern kann ich es eh nicht, also ziehe ich mein Regencape über und ziehe los.

Es ist heute wirklich ungemütlich, feiner Nieselregen und Gegenwind und dann noch eine lange Etappe. Mir wird zeitweise so kalt, dass ich mir Handschuhe wünsche…Anfang August!

Aber ich will mich vom Wetter nicht unterkriegen lassen und schaue mir in Abenberg, dass ich nach acht Kilometern erreiche, erst die Burg und dann die Kirche an, wo ich auch einen Stempel kriege.

Als ich Abenberg ein gutes Stück hinter mir gelassen habe, frag ich mich, warum ich nicht wie gewohnt etwas in der Hand hab. Und so lauf ich noch mal zurück, um meine Stöcke zu holen, die ich in der Kirche hab stehen lassen. Kein Pilgerurlaub, ohne das ich mindestens einmal meine Stöcke holen muss.

In Wernfels finde ich nach über 20km endlich eine überdachte Möglichkeit für eine Mittagspause. Die Klamotten sind alle klamm und ich bin froh endlich was in den Magen zu bekommen.

Der Regen lässt nach, als ich aufbreche und es geht bergauf und bergab, mit den unschönen Ergebnis, dass ich leicht mit dem Fuss umknicke. Mal schauen wieviel Freude ich damit noch haben werde, kann aber meine Reise fortsetzen.

Auf einer Wiese trete ich fast auf ein Kaninchen, dass sich in einer Mulde versteckt hat (warum legen die sich alle mir in den Weg?).

Erschöpft, müde, durchgefroren und hungrig komme ich um 17 Ihr in Gunzenhausen im Hotel an, werfe meinen Rucksack kurz ab und will mir noch schnell einen Stempel holen. Der Einsatz ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt, sowohl die Kirche als auch die Touri-Info haben bereits geschlossen. Irgendwie nicht mein Tag.

Auf dem Rückweg kaufe ich im Supermarkt neuen Proviant und ein paar Brötchen zum Abendbrot, ich will heut einfach nicht mehr vor die Tür. Eine lange heisse Dusche und eine Tafel Schokolade helfen aber den Tag zu vergessen und hey: ich hab nen neuen Tagesrekord aufgestellt!

06.08.2023: Tag 44 – Von Nürnberg nach Haag (27,0km)

Der fränkische Jakobsweg ist zu Ende, nun geht es Richtung Konstanz. Und dafür lauf ich erst mal ein ganzes Stück am Ludwig-Donau-Main-Kanal entlang, bis ich Nürnberg endgültig verlasse.

Hinter Kornburg muss ich eine Treppe hoch, um eine vermeintliche Autobahnbrücke zu passieren. Tatsächlich verläuft hier aber der Donal-Main-Kanal über die Brücke. Gehört hatte ich zwar, dass es sowas gibt, aber tatsächlich davor zu stehen, macht doch etwas sprachlos.

Um 13 Uhr erreiche ich das schöne Schwabach und gönne mir bei einem Italiener ein warmes Mittagessen, da der Zielort Haag für mich keine Möglichkeit bereit hält dort zu Abend zu essen.

Das letzte Stück nach Haag geht über Feldwege und ist schnell beschritten, das Hotel schnell gefunden.

Als ich die Tür zu meinem Zimmer öffne bleibt mir kurz der Atem stehen, ich werde in Barbies Traumhaus übernachten… naja, mal was anderes. Nach der Dusche und dem obligatorischen Mittagsschläfchen mach ich daran Postkarten zu schreiben. Nach dem Abendbrot bleibt noch etwas Zeit zum lesen, bevor auch dieser Tag wieder rum ist.

05.08.2023: Tag 43 – Von Stein nach Nürnberg (11,6km)

Es fehlt ja noch ein Stück bis nach Nürnberg. Und so steig ich um sieben Uhr in die S-Bahn und fahr zurück nach Stein, treffe auf einer Bank einen anderen, aber recht schweigsamen Pilger und überquere erst die Regnitz und dann die Pegnitz bevor ich in Nürnberg eintrudel.

In der Jakobuskirche komme ich mit einem netten älteren Herren ins Gespräch, der mir meinen Stempel gibt und zudem noch ein paar nützliche Internetlinks für Unterkünfte auf meinen weiteren Weg. Nach dem Austausch unserer Pilgererfahrungen und einer Flasche Pilgerbier im Rucksack, mache ich mich auf in die Altstadt.

Hier ersteigere ich einen frischgebackenen Lebkuchen und feiere damit mein Bergfest, sowohl strecken- als auch zeittechnisch. Nach dem Besuch der St. Lorenz-Kirche wird es Zeit sich etwas politisch zu betätigen.

Es ist heute CSD in Nürnberg und nachdem ich den Großteil der Parade an mir hab vorbeiziehen lassen, laufe ich mit bis zurück zu Altstadt, wo mein Hunger überhand nimmt und ich nach einer Einkehrmöglichkeit Ausschau halte.

Ich werde an einem Falafelstand fündig, wo ich mit einer Nürnbergerin ins Gespräch komme, die als Berufschullehrerin für die Pflege arbeitet und die mir mehrere Tipps gibt, was ich mir in Nürnberg alles anschauen könnte. Ich entscheide mich dafür mir als erstes die Burg anzuschauen und mache mich auf den Weg.

Nach diversen Ritterrüstungen, Waffen und Münzen ist meine Aufnahmekapazität erschöpft und ich trete den Weg zum Hotel an, um mich etwas auszuruhen und kaufe auf dem Rückweg noch neue Wandersocken, da die ersten bereits durchgelaufen sind.

Ich starte abends noch einen zweiten Rundgang und gönn mir heute mal ein leichtes Abendessen mit dem ich den Abend beschließe.

04.08.2023: Tag 42 – Von Dietenhofen nach Stein (34,1km)

So Rucksack auf und weiter. das Wetter spiel wieder mit und nach zwei Stunden bin ich wieder auf dem Jakobsweg.

Ich komm gut voran, sehe mehrere Rehe und Hasen auf dem Weg und mache meine Mittagspause in Roßtal vor der Kirche und bewundere den dazugehörigen Friedhof, wo wirklich jedes Grab mit bunten Blumen bepflanzt ist.

Der Weg geht weiter durch den Wald, wo ich zum Teil meine liebe Müh damit habe, die Brennnesseln von meinen Knien fernzuhalten.

Gegen 16 Uhr erreiche ich zufrieden und erschöpft den Bahnhof der Stadt Stein und nehm die S-Bahn nach Nürnberg, morgen werde ich hier wieder starten.

Nachdem ich mich im Hotel etwas ausgeruht hab, mach ich mich auf dem Weg zu einem Restaurant, dass mir ein Freund empfohlen hat und versuche auf dem Weg dorthin mir schon etwas von der Stadt anzuschauen.

Es wartet auf mich eine seeeehr große Portion, die ich trotz des großen Hungers nicht ganz schaffe. Der anschließende Verdauungsspaziergang muss dann leider aufgrund des einsetzenden Regens eingekürzt werden und ich sortiere stattdessen die Urlaubsfotos schon mal.

03.08.2023: Tag 41 – Von Colmberg nach Dietenhofen (30,6km)

Die Sonne scheint in den Frühstücksraum, heute wird also ein guter Tag. Entspannt starte ich gestärkt meinen Weg, der mich den Vormittag über Waldwege nach Lehrberg führt.

Nach einer Pause in Wernsbach, wo ich auch meinen Stempel des Tages bekomme, mach ich mich über verlassene Straßen nach Dietenhofen, dass ein Stück abseits von Weg liegt, aber ich hab gestern keine andere Unterkunft gefunden.

Die Skyline von Dietenhofen ist geprägt von einem riesigen Playmobil-Werk und nachdem ich geduscht und die Wäsche gewaschen hab, erkunde ich wieder die Stadt.

Ein futuristisch anmutendes Gebäude entpuppt sich überraschender Weise als Kirche mit minimalistischen Design. Wer hätte gedacht sowas hier zu finden. Nach einer Portion Spagetti Bolognese verkrümel ich mich aber wieder in mein Hotelzimmer und studiere die Strecke für morgen.

02.08.2023: Tag 40 – Von Rothenburg ob der Tauber nach Colmberg (25,3km)

Ich starte um kurz nach sechs, in der Hoffnung zumindest einen Großteil der Strecke trockenen Fußes zurückzulegen, denn ab dem Vormittag ist durchgehend Regen angesagt.

Es sind erst mal ein paar Höhenmeter zu bezwingen, bevor der Weg wie gewohnt durch Wald und Maisfelder geht.

Bis Stettberg bleib ich trocken, dann holt mich der leichte Nieselregen ein, der mich zusammen mit Gegenwind bis Colmberg begleitet.

Durchgefroren hol ich mir in Colmberg meinen Stempel ab und starte den Aufstieg zur Burg, wo meine Unterkunft ist, in die ich erst nachmittags reinkomme, sowie das einzige Restaurant, wo ich ein Mittagessen bekommen kann. Gesättigt und wieder aufgewärmt schlage ich Zeit tot, denn das Wetter vergällt einem jegliche Draussenaktivität.

Ich hab mit dem Zimmer wieder Glück gehabt, gönn mir ein Nickerchen und füttere anschliessen bei der Abendsonne noch die Hirche, die zur Burg gehören, bevor ich den Tag vor dem Fernseher beschließe.

01.08.2023: Tag 39 -Von Blaufelden nach Rothenburg ob der Tauber (28,2km)

Es beginnt mit leichten Nieselregen. Okay, damit kann ich um, also breche ich auf. Blöder Fehler. Der Regen weitet sich immer stärker aus und bereits beim Ort Schrozberg, wo ich eine Pilgerstatue entdecke, sind meine Füße schon ziemlich nass.

Kurz hinter Schrozberg finde ich im Wald eine Hütte, wo ich mich unterstellen und meine Socken auswringen kann. So macht das keinen Spaß. Nach einer Stunde lässt der Regen endlich nach und ich kann weiter.

Pausen lässt mir der Weg in Ermangelung von trockenen Sitzgelegenheiten nicht, da können auch die mehreren Begegnungen mit Rehen die Laune nicht wirklich bessern.

Kurz vor Ende klart der Himmel aber auf und ich erreiche bei besten Sonnenschein Rothenburg ob der Tauber.

Ich bin ziemlich angetan von der Altstadt, hole mir schnell einen Stempel in der Touristeninformation und in der Jakobskirche (Doppel hält besser) beziehe schnell mein Hotelzimmer und bin nach der Dusche auch schon wieder unterwegs.

Zur Stärkung gibt es erst mal eine Tauberkugel. Es ist das erste Mal, dass mir zu Gebäck neben einer Gabel auch ein Steakmesser gereicht wird.

Mit gefühlt 100.000 Kalorien im Bauch erkunde ich weiter die Altstadt, besuche das Weihnachtswunderland von Käthe Wohlfahrt (Gott sei Dank, kann ich nichts mitnehmen, ich wär sonst pleite) sowie das mittelalterliche Kriminalmuseum.

Zum Abendessen gönne ich mir einen Klassiker der fränkischen Küche. Das Wohlbefinden ist wieder hergestellt und die Strapazen des Tages schon vergessen.

31.07.2023: Tag 38 – Von Krautheim nach Blaufelden (36,1km)

Nach einem wirklich schlechten Frühstück mache ich mich zügig auf den Weg. Habe gestern leider nur eine Unterkunft gefunden, die etwas ab vom Weg ist und die Distanz ist sogar für mich ne Herausforderung.

Zum Glück geht es weiter an der Jagst entlang, die von Steuobstwiesen gesäumt ist und so muss ich nicht viel nach Wegweisern schauen und hab ein sportliches Tempo drauf.

Hinter dem Ort Dörzbach (Die Namensgebung mancher Orte ist echt zum Schießen) komme ich an einer Kapelle vorbei, die in eine Grotte reingebaut ist und wo ich den Stempel des Tages bekomme. Fix geht es weiter.

Der Weg läuft bis Heimhause, wo ich Mittagsrast mache, ziemlich eben. Danach geht es aus und das wirkt sich auf meine Wasservorräte doch merklich aus.

Gegen halb zwei erreiche ich durchgeschwitzt Herrentierbach, das Wasser ist fast alle und ich hab noch neun Kilometer vor mir. Als ich eine ältere Dame frage, ob ich hier irgendwo ein Geschäft ist, verneint sie dies, aber sie schenkt mir zwei Flaschen Wasser (Die Menschheit ist doch nicht so schlecht) und ich kann mich zur letzten Etappe aufmachen.

Abgekämpft komme ich in Blaufelden an, wo ich kein Zimmer, wie ich gedacht hab, sondern eine ganze Ferienwohnung gebucht hab, die doppelt so groß wie meine eigene Wohnung ist.

Hier kann ich in Ruhe meine Wäsche waschen und meinen Kohldampf mit einem großen Teller Nudeln stillen, bevor ich erschöpft ins Bett falle.

30.07.2023: Tag 37 – Von Möckmühl nach Krautheim 36,5km)

Ich breche heute bereits um sieben Uhr auf, ich hab eine längere Strecke heute vor mir. Sonne und Regen streiten den ganzen Vormittag über die Herrschaft des Tages und ich kämpfe damit den Weg zu finden und nicht irgendwelche Schilder fehlzuinterpretieren.

Heute gibt es zumindest einen Mix auf Feldwegen und Waldabschnitten, das hebt schon etwas die Stimmung.

Gegen Mittag erreiche ich Berlichingen, bin ein wenig enttäuscht, dass bis auf das Schild am Ortseingang wenig sich auf den berühmten Götz bezieht und mache Rast.

Die Sonne hat den Kampf für sich entschieden und ich starte mit frischer Energie zur zweiten Runde. Fast wäre ich dabei am Kloster Schöntal wo mir eine beeindruckend schöne Kirche sowie ein Stempel entgangen wären.

Der Weg geht nach dem Kloster lange gerade aus und so kann ich den Kopf schön abschalten und laufe im zügigen Tempo bis Wildeshausen, wo ich mir ein Eis gönne.

Es geht zur letzten Etappe nach Krauthein, dass ich gegen 17:00 Uhr erreiche. Der Gasthof schleudert mich zurück in die 1960er Jahre, zumindest sind das gesamte Interieur so aus, als sei es seitdem nicht erneuert worden. Beachtenswert hier ist, dass der Duschkopf Wasser in wirklich jeder Richtung spritzt, nur nicht dahin wo er soll, so dass sogar ich zarte Elfe von Wasserstrahl zu Wasserstrahl springen muss.

Nach einem etwas mäßigen Abendessen (passend zum Gasthof) zieh ich mich aufs Zimmer zurück und verbringe den Abend mit Postkarten schreiben.